Ich schreibe gerne. Ich schreibe trotz meiner Wortfindungsschwierigkeiten sehr gerne.
Oft, wenn jemand eine spontane Bemerkung macht, kann ich nicht reagieren … weiß nicht, was ich sagen soll.
Freundlich und angenehm sein, ein sonniges Gemüt ausstrahlen ist mein Motto, das habe ich mir zur Lebensaufgabe auserkoren. Obwohl ich den Inhalt häufig gar nicht mitbekomme.
Manchmal fällt es mir schwer, mitzudenken. Ebenso sinnerfassendes Lesen gestaltet sich ab und an herausfordernd für mich. Was in Kombination mit einem Studium tödlich für das Selbstvertrauen sein kann.
SCHREIBEN, aber nicht sprechen und drüberlesen, ohne mir des Textes bewusst zu sein. Ich weiß noch, in der Schule hatte ich oftmals Probleme damit, eine Inhaltsangabe zu machen, doch eine Interpretation des Gelesenen lag mir total. Weil ich unbewusst zwischen den Zeilen lesen konnte, die Stimmung des Geschriebenen förmlich aufsaugte. Unter Ausschluss vom Beibehalten mannigfacher Details.
Noch jetzt träume ich nachts davon, mir für die Schule fieberhaft etwas durchzulesen, meinem Geographielehrer so sehr eine Freude machen zu wollen, indessen ich mir denke: „O.k., ich habe es mir angesehen. Aber was habe ich eigentlich gelesen?! Ich weiß gar nichts, kann nichts davon wiedergeben – ein Albtraum.“ Die Formulierungen im Schulbuch waren so kompliziert!
(Beverly Hills 90210, 5. Staffel)
Öfters sage ich ja, ohne zu registrieren, wozu ich ja sage. Zumal ich mich überfordert damit fühle, alles aufnehmen zu müssen. Menschen in den Altenheimen sprechen auch mitunter sehr wenig … es fehlen ihnen ebenfalls die Worte … zu viel Druck und Stress im Inneren kann die zwischenmenschliche Begegnung machen … plötzlich steht ein Mensch vor mir – die Erwartungen, die Interaktion – muss ich unterhaltsam und intelligent sein? Interessante Sachen erzählen, die mir nicht mehr passieren … vielleicht auch fühle ich mich deshalb so verbunden mit älteren Semestern.
Jedoch beim Schreiben verflüssigt sich alles … ich habe keine Angst … ich liebe Französisch … ich will ein Schokofondue … Worte wie kleine Ananas- und Erdbeerstückchen, überzogen mit Kokosflockenschokolade. Auch wenn ich bislang nur mehr wenig Französisch spreche und verstehe.
Alle Klümpchen der Unsicherheit beginnen zu fließen, sich aufzulösen … ich bin allein, kann länger nachdenken, bis ich ein Wort finde … das ist der Schneebesen … ach, wie gerne hätte ich als Kind und Jugendliche mit anderen gleichsam drauflosgeplappert! Hingegen die Furcht, nichts zu sagen zu haben, hatte eine mörderisch unüberwindbar anmutende Hemmschwelle aufgebaut.
Eigentlich bin ich gar nicht so schüchtern, wie ich wirke. Die Wortfindungshürden beim Reden erzeugen diesen Eindruck … dann lächle ich, weil ich ahnungslos bin, was ich sagen soll. Freundlichkeit und Respekt sind ebenso eine Form von Kommunikation, es müssen nicht immer Worte sein.
Ab und zu sind ein liebevoller Augenkontakt, ein sanftes Streicheln schöner als tausend Worte, die alles zerreden. Ich vergesse …auch Wörter. In dieser Welt allerdings, wenn man eine Karriereleiter erklimmen will, ist eine rhetorische Begabung nicht selten von Vorteil, des Öfteren sogar eine Voraussetzung.
Erneut beginne ich einen Satz und vollende ihn nicht. Ich will etwas Besonderes sagen, fernerhin gelingt es bisweilen. Nichtsdestotrotz, falls ich einen speziellen Ausdruck unbedingt aussprechen will, entgleitet er mir eine Sekunde davor. Sein Gejagt-Werden durch mich macht mich selbst überprall zum Zerspringen. Dieselbe Situation ist bei meinen horrend tiefliegenden Rollvenen.
Immer wieder Blut abgenommen bekommen zu haben in den Krankenhäusern und bei Untersuchungen, mit solchen Venen, wie ich sie habe, ist auch ein Schicksal. Eine nicht so schlimme Sache wie andere Dinge eventuell, das weiß ich nur zu gut. Ich lächle, also weine ich.

(Mein linkes Auge)
Wenn ich träume in der Nacht, davon träume mit anderen zu kommunizieren, bin ich unter anderem so gewitzt, clever, spontan und instinktiv schlagfertig. Nur weil wir uns jetzt alle begrenzt wahrnehmen, heißt das nicht, dass wir nicht Gott wären. Alle zusammen. Ein Teil des Spiels, diese Wahrnehmung …
Eine Praktikantin in einem Verein hat meine beiden Hände genommen, mir tief ins Gesicht gesehen und gesagt: „Du hast wirklich die schönsten blauen Augen, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.“. Sprachlos dachte ich ganz bei mir: „Bitte sag das einmal all den Männern und Frauen, in die ich je verliebt war. Die sehen das überhaupt nicht.“ Bis ich verlegen lächelte und ein „Danke“ stammelte.
Eine weitere Facette des Redens und eine Frage, die sich stellt: Kann ich meinem Gegenüber vertrauen oder wird alles, was ich sage, gegen mich verwendet? Irgendwann bekam ich diesbezüglich so einen Hieb versetzt, dass ich misstrauisch wurde. Ich bin skeptisch, daher rede ich kaum. Schweigen erscheint sicherer zu sein. Wem kann ich noch vertrauen?
Ich träume vor mich hin, einen Traum nach dem anderen. Als würde ich mein Schicksal abarbeiten.
Das unerreichbare Blut … die Inhaltsangabe über den Wolken … die magische Interpretation von Träumen … der angebrannte Topfboden mit den verklebten Klümpchen als graue Zellen.
Der Wow-Effekt im Nachttraum – wie schnell und elanvoll ich laufe, voller Schwung und charismatischem Auftreten. Wie ich aus dem Vollen schöpfe. Neuerlich keinen einzigen Funken des Zweifels vernehme.
Ja ich kann etwas, wir alle sind aus diesem unzersägbaren Holz geschnitzt, egal, wie unsere Lebenswege verlaufen.

(Die Stofftiere, die ich während meines längsten Aufenthalts auf der Allgemeinen Psychiatrie geschenkt bekam. Von Freunden, Mitpatientinnen und von meiner Familie. Der Aufenthalt war im Jahr 2007 und dauerte ungefähr 6 Monate. Den kleinen Teddybären, residierend auf dem gelben Halbmond, umarmte ich die ganze Nacht, vor dem Einschlafen, während ich schlief und nach dem Aufwachen. So groß war meine Angst.)
Und es darf sich so anfühlen, wie es gerade für mich ist. Irgendwann werde ich wieder ein reißender Strom sein, der im Becken der Unendlichkeit seine Krönung findet. Bis dahin will ich mich beobachten – interessiert, unbefangen und unparteiisch … wie ich augenblicklich bin … und welchen Weg ich wohl gerade für mich gewählt habe.
Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel voller Träume, Wünsche und Erinnerungen, die es gilt, würdevoll und sanft zu verwahren und aus ihnen dynamisch zu schöpfen.
Je continue ma vie maintenant …
(Meine Lieblingsversion des Liedes:“I’d rather leave while I’m in love“ und eines meiner Lieblingsvideos von „Ridge und Taylor“.) 💜
