Ein märchenhafter Ausflug in die Welt der Konditorei Jindrak –
einem Café mit unwiderstehlichem Charme
Es war einmal ein sehr beliebtes und gut besuchtes Café, eine Konditorei mit dem Namen Jindrak.
Es beschäftigte viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vorwiegend junge Damen als Kellnerinnen,
die stets emsig wie fleißige, kesse Bienen umherschwirrten und Schmankerln verteilten.
Benannt nach dem bekannten Besitzer Leo Jindrak und seit 1929 übernommen von Generation zu Generation, war es ein überaus gern gewählter Treffpunkt alteingesessener Kaffeehausbesucher.
Von alt bis jung, also vom lieben, goldigen Großmütterchen, das traditionell am Sonntagvormittag seinen Kaffee mit Torte zu sich nahm bis hin zu den winzigsten Wonneproppen, die im Sommer ein Eis im Freien genossen, konnte man dort Menschen jeder Altersgruppe und sozialen Schicht vorfinden. Eine eigene kleine Sozialstätte, oft dazu genutzt, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Kultur der Essfreudigen und Redseligen. Meist in Kombination. Eigentlich fremde Leute, die aufgrund des Teilens der dicht möblierten Räumlichkeit untereinander an den Erzählungen intimster Geheimnisse teilnahmen.
Selbstgemachte kulinarische, insbesondere zuckersüße Köstlichkeiten aus eigener Backstube luden unter dem Motto: „Mein Konditor ist mir eine Sünde wert!“ zum Probieren ein und gestalteten das Repertoire der Bestellkarte sehr verführerisch. Viele arme und reiche Zuckersüchtige erlagen den garantiert wohlschmeckenden Verlockungen.
Obwohl als beste und hochwertigste Konditorei von ganz Linz bekannt (auch mit der angeblich besten Linzer Torte) lagen die Preise im humanen Zwischenfeld.
Der typisch österreichische traditionelle Kaffeehauscharakter stach besonders ins Auge und stellte regelrecht einen willkommenen Gegenpol zur modernen, amerikanisierten Mc Donalds-Gepflogenheit dar.
Vor allem ältere Leute schienen wie gefesselt an ein Café, wo sie bei einem tratschigen Plauscherl ihr Kaffeetscherl genießen durften, insbesondere in der Hauptfiliale Herrenstraße, die darüber hinaus durch ihre Snacks und sauren Speisen inklusive täglichem Mittagsmenü bestach, wie ebenso in Alt-Urfahr, wo Gemütlichkeit und hausbackener Humor die Atmosphäre erfüllten.
Weniger förmlich, als vielmehr fröhlich war es des Weiteren ein Kaffeehausbetrieb der Haute Volée, des Gutbürgertums sowie Sehenswürdigkeit für Touristen, die sich eine obligatorische Kostprobe natürlich kaum entgehen ließen.
Saisonbedingt konnte man nur in bestimmten Zeitetappen Krapfen, Eis, Lebkuchen, Kekse & Co erstehen.

Mittlerweile gab es mitunter sogar vegane Kuchen, Schnitten und Torten, die Geliermittel dafür bestanden zur Gänze aus Agar Agar, auch bei den bunten Geleefrüchten.
Auf jeden Fall war und ist das Café Jindrak gleichfalls ein wichtiger Teil von Linz wie die Pestsäule am Hauptplatz. Als kulinarisches Wahrzeichen.
Es war und ist einfach unvorstellbar, es wegzudenken.
Keine Sahnehäubchen mehr, die anlachen und einladen würden, sie zu küssen.
Saure Gemüter anstatt zuckersüßer Herzen – ein schrecklicher Gedanke, oder?
Und wenn wir nicht gestorben sind, dann schlemmen wir noch heute!
Vor vielen Jahren habe ich diesen Text geschrieben und ich veröffentliche ihn nun, weil ich mich von Industriezucker und Weißmehl schon seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen (ich hatte bereits eine Vorstufe von Diabetes) zur Gänze verabschiedet habe. Dennoch werde ich das Café Jindrak für immer lieben, ab und an statte ich ihm noch einen Besuch ab. Dies ist also der Nachruf auf meinen ambivalenten Zuckerkonsum!
Liebe Leser: innen, viel Spaß und bekömmliche Genüsse für Körper, Geist und Seele an diesem frühlingsverträumten Sonnentag!
Alles Liebe, Gute und Konstruktive,
eure Barbara
