An Tagen wie diesen,
da nie gestillte Sehnsucht
gegen verschlossene Tore hämmert,
da das Zerbrochene stärker schmerzt,
das Heimweh unausweichlicher
eindringt,
lass mich nicht ohne deinen Engel,
denn wehrloser als sonst
findet mich die Verlassenheit
und meine Gedanken
irren umher in Vergangenem,
Traurigkeit haftet
an jedem Schritt.“
(Antje Sabine Naegeli)
Lieber Jesus,
vergiss mein nicht, bitte.
Ein Leben lang warte ich
auf das Leben, von dem ich will,
dass es ewig währt,
stehe am Rand der steilsten Klippe.
Bis deine Träne mich durchfährt,
du hörst meine hochgezogene Stimme
und fühlst, wie etwas in ihr zittert,
wenn ich dir leblos im Ohr erklinge.
Dir nahebringe, wie gnadenlos das Leben
mit mir verfährt.
Wenn ich “Jesus to a child” singe,
mich dazu auf den Fußboden lege und meditiere,
anhimmle, verstimmend verstumme
ohne Atem in meiner Lunge.
„Oh, the lover I still miss, was Jesus to a child …“
Vergiss mein nie, Jesus, bitte,
wenn ich “Wonderwall“ von Oasis anstimme,
dich unter Ausschluss von Kirche
und Konvention besinge,
die engstirnigen Vorstellungen rund
um dich herum entehre,
mir ewige seelische Unversehrtheit gewähre,
indem ich meinen Lebenssommer
im Schatten deines Lichts verbringe.
Gesungen habe ich zudem “One of us“ von Joan Osborne
in meiner gezwitscherten Jugend, ohne jemals zu verstummen.
Gesprungen bin ich in den gepiepsten
sowie pulsierenden Vogelkonzert-Liederberg,
alles nur, um dir unbewusst vorzuführen,
wie sehr ich mich in dich hineinversetze,
dich verstehen will, wie du leidenschaftlich
die Leidenschaftslosigkeit unverfärbt hast entblößt.
Wenn in meiner Stimme etwas zittert,
bist du es, der die Wahrheit
über meine Unsicherheit wittert,
der Sonne über mich ausschüttet
und mir seine Herzensliebe anbietet.
Mir Ruhe ohne Kargheit unterbreitet,
mich zu geweihter Nahrung geleitet,
Gefühlsfülle und Lügenstille mir bereitet.
Meine Augen in die Augenweide
der optischen Ekstase durch den Zauber
der Schöpfung von Mutter Erde einkleidet.
Ich träume und erspüre, daher sehe ich,
ich wettere nicht über Wetterlosigkeit,
ich bin jedem Sonnenschein, Glück
und Seelenfrieden vergönnt.
Obwohl du, Jesus, mich lehrst,
nichts zu beschönigen oder zu leugnen,
was angeschaut und gegebenenfalls
kritisch beäugt werden will.
Jesus,
bleib bei mir,
selbst wenn mein Charakterweg grad krumm ist
und seine Oberfläche verführerisch mit Rosenblättern bedeckt ist,
verzaubere jenen mit einer Umarmung.

Jesus, liebe mich, oh liebe mich,
denn ich bewundere deine tiefen, sanften Augen,
und die Tatsache, dass du ein
ungrauenvoll ungrober Anti-Gockel bist,
der ohne monströs aufgeblasenem Ballonego schweben kann.
Der ein reines Herz niemals als dumm und naiv
bezeichnen würde und schon gar nicht
als lächerlich und idiotisch,
der meine Fähigkeiten nicht an anstudiertem Wissen misst,
der vielmehr meine Herzintelligenz erkennt
und sich mit ihr verbindet.
Dein Kuss auf meine Stirn
schenkt meiner Lebenssinnsuche Besinnlichkeit.
Ich liebe dich, Jesus.
Hülle deinen schützenden Mantel,
deine herzlichen Arme um mich,
deine Füße stecken in magischen Sandalen
und hinterlassen malerische Spuren eines universalen
Zauberers und Meisters im Sand,
während du mich durch schwere Zeiten trägst.
Vielleicht bin ICH dein heiliger Gral, der bei dir bleibt und der dich nie vergisst, und
deine Maria Magdalena
„What would you ask if you had just one question?“
Ihr lieben Leute, die ihr unlängst zufällig mit mir im Bus unterwegs wart – es tut mir leid, dass ich so genervt dreingeschaut habe. Ich war einfach überfordert, weil der Bus so überfüllt war, ich weiß, ich war ein engstirniger, verbitterter Griesgram, sorry. Derart viele überschüssige Kilos mit sich herumzutragen ist nicht leicht.“
Alles Liebe und nachträglich ein freundliches Lächeln.
Viele liebe Grüße an meinen Vater, der gestern vom Krankenhaus nach Hause gekommen ist. Die Bilder in diesem Beitrag sind für ihn. Während seines Aufenthalts habe ich ihm jeden Morgen nach dem Aufstehen sofort ein solches Bild von Pinterest, einen kleinen Text von mir und ein Kinderfoto geschickt. Und einmal zusätzlich dieses Video:
Damit er sich freut und den Lebensmut nicht verliert, damit die Zeit nicht ganz so trostlos und unerträglich ist.
Meine Mutter hat in meiner Kindheit immer gesagt, dass sie fesch wäre, aber der Papa nicht. Leider hab ich das dann immer nachgeplappert, das ist mir jetzt höchst unangenehm.
Ich finde, dass unser Papa auch stets sehr fesch war und ist. Die Kinderfotos von mir, meinem Bruder und meinem Papa sind fast ident. Im Gegensatz zu meinem Bruder und mir hatte mein Papa als Erwachsener kein “Babyface“ mehr. Meine Schwester hat seine Figur und das Gesicht von meinem Linzer Opa. Hingegen das sind alles nur Äußerlichkeiten, die nicht bedeutsam für mich sind. Ist mir nur grad eingefallen. Keiner sollte Angst davor haben, nicht schön genug zu sein.

Noch eine Anmerkung zum letzten Beitrag:
Unter anderem habe ich von Friederike berichtet, die während ihrer Gefangenschaft im Maßnahmenvollzug verstorben ist. Friederike war schon eine ältere Dame, ungefähr 70 Jahre alt. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, ob sie an chronischer Verstopfung litt. Ich weiß nur mehr, dass sie Darmkrebs hatte, einen Seitenausgang bekam, den sie immer ihr Glückspäckchen nannte, und dass dieser erfolgreich rückoperiert wurde.
Dennoch habe ich im Krankenhaus viele Patienten kennengelernt, die durch die Medikation dauerhaft verstopft waren und ständig Abführmittel eingenommen haben. Außerdem kenne ich niemanden, der das bei sich selbst wollen oder akzeptieren würde, aber von den Patienten wird erwartet, dass sie es hinnehmen. Wenn die Gifte im Körper nicht ausgeschieden werden können, kann das katastrophale Auswirkungen haben und Krankheiten können auftreten, die man damit gar nicht vordergründig assoziiert. Das Gleiche gilt für die Übersäuerung. Meine Linzer Oma, die stets ein Gesundheitsapostel war, hat immer gesagt: „Übersäuerung als Grundursache aller Krankheiten.“ Auf die Ausgewogenheit des Säure-Basen-Haushalts zu achten, daran ist sicher nichts verkehrt.
Friederike ist kontinuierlich in der Psychose verblieben, weshalb sie ihren Lebensabend auf der Forensik verbrachte und ebenso dort verstarb. Im Jahr 2017 an Darmkrebs.
In unserem letzten Gespräch, liebe Friederike, hast du mir gesagt, wie sehr du zu Jesus betest. Du hattest ein sehr schwieriges Leben, daran ist nichts zu beschönigen. Und auch wenn ich viele Jahre damit gehadert habe, dass du so leiden musstest, weiß ich trotzdem, dass deine Seele ihr Ziel nun erreicht hat. Ich glaube daran, dass dein vergangenes Leben ebenfalls ein Vorhaben von dir war, das du sehr mutig und tapfer gemeistert hast. Ruhe in Frieden, liebe Friederike, du bist in meinem Herzen.

Rettende Flucht,
dich schützend verschließen,
aber ein Fenster öffnen
von Zeit zu Zeit,
die Taube ins Leben senden.
(Antje Sabine Naegeli)
Alles Schöne und Wunderbare, ein sorgenlos stressfreies Wochenende, möge das Leben gütig, zuvorkommend und umsichtig mit uns allen sein. Jeder Augenblick ist in sich vollkommen.
Eure Barbara
