Ein besonderer Eintrag in mein Strandtagebuch


22.7.2026

Liebes Tagebuch,

heute habe ich mit einem so süßen Baby im Pool gespielt. Das Mädchen hieß Naja und war ungefähr zwei Jahre alt. Ein kleiner, bunter Ball hatte es uns angetan.

Ihre beiden Mütter kümmerten sich sehr zuvorkommend und fürsorglich um sie. Naja und ich, wir waren sehr berührt voneinander und ich musste die ganze Zeit über daran denken, wie schön es jetzt wäre, sie zu knuddeln und zu umarmen, ihr ein Bussi zu geben.

Aber das wäre wohl zu viel für ihre Mütter gewesen, das wäre, glaube ich, nicht gut angekommen. Obwohl die zwei überaus lieb und sanft zu ihrem Kind waren, musste ich darüber nachsinnen, um wie viel mehr Zuneigung ich einem Baby geben würde wollen, wenn ich eines hätte.

Indes beobachteten die Leute am Pool Naja und mich gerührt und ebenso die Grimassen, die ich zur Freude des Wonneproppens schnitt und visierten mich total intensiv an.

Zum Schluss kam Naja mit ausgebreiteten Armen in überschwänglichem Glück auf mich zugelaufen, doch sie war so voll sprühender Energie, dass sie stolperte, kurz bevor sie mich erreichte. Leider bekam sie viel Wasser ab und begann zu weinen. Das erinnerte mich an das Paradies, wo strahlende, gutherzige Babys in meine offenen Arme laufen.

Als ich Psychologie studierte, überlegte ich mir eingehend, ob ich nicht doch Kindergärtnerin, Krabbelstubenhelferin oder Säuglingsschwester werden sollte. Sogar der Beruf der Hebamme kam mir in den Sinn. Heute bin ich davon überzeugt, dass mir das in meiner Situation zu anstrengend gewesen wäre.

Ich als Baby


Tja, wenn ich Naja wirklich umarmt und geküsst hätte, wäre sie wahrscheinlich nicht mehr von mir weggegangen, was ohnehin bereits der Fall war. Eine ihrer Mütter hatte darauf leicht eifersüchtig reagiert.

Die Verantwortung für ein Kind zu tragen ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Und trotzdem wünsche ich mir manchmal, ich wäre in meinem Leben natürlicher, gesünder und mutiger damit umgegangen.

Für ein Baby ist es in meinem Fall wohl bald zu spät, allerdings bin ich mein ganzes Leben lang einen so außergewöhnlichen Weg gegangen, vielleicht setzt sich das auch in diesem Erfahrungsbereich fort.

Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch alle zu mir …

Bis bald und liebe Grüße,

Barbara