Die „Familien-Wunderkiste“ – von Herztendenzen, Streitsequenzen und Schwingungsfrequenzen


Die Erinnerungen an meine Kindheit und an mein Jugendalter sind für mich allgegenwärtig. Da ich viel Zeit habe, darüber nachzudenken, verbringe ich diese auch damit.
Oft grabe ich Bruchstücke von Momenten und emotional besetzten Andenken wieder aus, hole sie aus meinem Gedächtnis hervor. Traumhafte Sommerurlaube, Faschingsfeiern, Jungschar, Fußballspielen im Garten, … die Liste der schönen Erlebnisse ist unendlich, ich glaube, wir kennen das alle.
Konflikte und mangelnde Kompromissbereitschaft haben vieles davon in Schieflage gebracht und dennoch blieben der Zauber des Freiseins, das fröhliche Kinderlachen, die Unbeschwertheit, die gespannte Freude auf die Zukunft. Jene fühlte sich noch viel geheimnisvoller an, als sie im Erwachsenenalter erscheinen würde.

Als Familie „Koller“ haben wir alle ein Wutthema. Vielleicht ist es unsere geistige und spirituelle Aufgabe, unsere Berufung in diesem Leben, uns hiermit auseinanderzusetzen. Denn wenn ein Mensch von Kindesbeinen an nur lernt, Gefühle zu unterdrücken, kann es zu völlig untypischen, unverhältnismäßigen Reaktionen kommen. Eine Familie ist für mich immer etwas, das man sich im System anschauen darf, sie ist vielmehr ein psychisches und soziales System. Wenn jemand ausflippt und durchdreht und/oder aus dem System ausbricht, ist eine ganzheitliche Betrachtung notwendig.

Einer der schönsten Augenblicke in meiner Kindheit war es, als mein kleiner Bruder geboren wurde. Damals war ich bereits 7 Jahre alt und bekam es sehr intensiv mit. Mein Bruder vermochte sich an drei Müttern zu erfreuen, an meiner Mutter, meiner Schwester und mir. Es kam plötzlich ein neuer Mensch ins Haus und ich habe ihn von Anfang an geliebt. Er wurde mit Liebe und Aufmerksamkeit geradezu überschüttet.

„Ja, du hast wundervolle Füße, mein kleiner Liebling.“ (Kärnten 1990)

„Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: STERNE, BLUMEN UND KINDER.“ Diesen Spruch finde ich wunderbar. Obzwar uns noch viel mehr geblieben ist, alles ist hier, wir sind von Schönheit umgeben, dürfen unseren Blick wieder dafür schärfen, sie wahrzunehmen.

Mit Prinzessin Diana fühlte ich mich sehr verbunden, vor allem mit ihrer Einstellung zu Kindern.

Mein kleiner Bruder konnte keinen Muckser machen, ohne dass ich schon auf dem Plan stand. Bei jedem Geräusch, das sich wie ein Weinen anhörte, war ich schon zur Stelle und busselte ihn so lange ab, bis er wieder happy war. Jeden Schmerz auszumerzen, lautete meine Devise. Das ist bis heute so.

Zumal mein Bruder nicht nur optisch, sondern auch in seiner Sensibilität und Gefühlstiefe ein Abbild von mir ist, die männliche jüngere Version von mir ist. Wir haben nicht nur die gleichen Augen, sondern reagieren auch sehr ähnlich. Wenn er verletzt ist, sagt er es kaum, das darf man erspüren.

Doch je älter wir wurden, desto mehr begannen wir uns gegenseitig zu verletzen, da wir mit der intensiven Energie zwischen uns nicht umgehen konnten. Wenn mein Bruder weint, weine ich ebenso, und umgekehrt. Der Vorhang, der uns als Bewusstseinseinheiten voneinander trennt, ist lediglich ein hauchdünner Schleier, daher übertragen sich unsere Gefühle so leicht aufeinander.

(Erstkommunion meiner Schwester 1992)

Gesellschaftliche und berufliche Rollen können zudem wie Kleidungsstücke sein, in die wir schlüpfen und unsere wahren Gefühle bedecken. Nie habe ich in meinem Leben einen gefühlsbetonteren Buben, Mann – und Menschen – kennengelernt, als meinen Bruder.

Fernerhin konnten er und ich unsere Schatten nicht annehmen, bei uns selbst nicht und eben, weil wir uns im anderen so stark gespiegelt sahen, auch nicht beim anderen. Was sich auf mich toxisch auswirkte, denn meine Lebenskraft wurde dadurch stark blockiert und zerstört, es trieb mich in den Liebeswahn und ins Stimmenhören.

Durch diese Umstände haben wir schon seit über zwei Jahren keinen Kontakt mehr, außer ein paar Mal per SMS. Bisher war es zu schmerzhaft für mich über meinen Bruder zu schreiben, umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt den Sprung wage.

Als ich so schreckliche Ängste in der Psychose erlebte, war es für ihn am schlimmsten, er bekam es am intensivsten mit. Es schwappte zu ihm über und hat einen unendlichen Schmerz in ihm ausgelöst.


Vom äußeren Erscheinungsbild als auch charakterlich sehe ich bei ihm viele Parallelen zu der Rolle des „Brandon Walsh“ (gespielt von Jason Priestley) in Beverly Hills 90210.

Für eine gute Sache setzt sich mein Bruder voll ein, er hat einen instinktiven Gerechtigkeitssinn und eine hohe Menschlichkeit und Großzügigkeit. Sicher bringen so viele Vorzüge einen großen Schatten mit sich. Aber Mitgefühl, Fürsorglichkeit, Integrität und Zuverlässigkeit hat er im Überfluss und das wiegt eine Menge auf. Für mich jedenfalls schon. Ich bewundere ihn aufrichtig dafür.

“Thanks daddy, not just for sending me, but for giving me another chance.”

“Take care of them for me, will you?”

Die Zwillingsschwester Brenda Walsh (gespielt von Shannen Doherty) sagt diese Sätze so schön, feminin, gefühlszart und elfenhaft. Diese Szenen spiele ich immer wieder nach, es gibt fürwahr so viele Schauspielerinnen, die sehr hoch schwingen, diesen Zauber einfangen und kreieren können, wie zum Beispiel Hunter Tylo, Kate Winslet, Rachel Leigh Cook, Shannen Doherty, … .

Kelly (Jennie Garth) in Beverly Hills 90210 gefällt mir auch sehr gut, ich konnte mich mit Brenda und mit Kelly identifizieren.

Der Grund, warum derartig viele Männer jüngere Frauen bevorzugen, sind, meiner Beobachtung nach nicht nur ihr Aussehen, sondern auch die verträumtere, mädchenhaftere Ausstrahlung, die das patriarchalische Mann-Frau-Schema bekräftigt. Junge Frauen sind häufig schüchterner und haben noch nicht so klare Vorstellungen.

Es ist nicht immer so, manche Männer wollen, dass eine Frau dominant und nüchtern ist. Nichtsdestotrotz hat sich meine Beobachtung schon des Öfteren bestätigt.

“You know, Brandon, that’s easy for you to say. But if they were keeping you from someone you loved, you’d be singing a different tune.”

“Can I say something, can I please say something?”

Nie bin ich mit jemandem so hoch geschwungen in meiner Liebesfrequenz wie mit meinem Bruder, als er ein Baby war. Oft schauten wir fern und sahen Szenen, die ihm nicht besonders auffielen. Erst wenn er dann meine Interpretation davon hörte und sah, war er ebenso verzaubert wie ich und sah sich die Szene kontinuierlich wieder und wieder an.

Immer wenn ich den Film “Mrs.Doubtfire“ anschaue, sehe ich diesen kleinen, wundervollen Jungen vor mir, der sich so sehr wünscht, dass seine Familie funktioniert … meinen kleinen Bruder.

… aber die Liebe, Schätzchen, die hält in alle Ewigkeit. Und in deinem Herzen wirst du immer eine Familie haben. Ich wünsche dir alles Gute, Süße(r), du wirst es schon schaffen.

Auf Wiedersehen.