Im Alter von 17 Jahren war ich mit meiner Schwester im Sommer auf Sprachferien in Paris. Um Französisch zu lernen besuchten wir dort vormittags eine Schule.
Zu Beginn mussten wir einen schriftlichen Einstufungstest ablegen, um in Bezug auf das Niveau unserer Französischkenntnisse in Leistungsgruppen eingeteilt zu werden.
Als ich das Ergebnis hörte, freute ich mich total, denn ich hatte es fast bis ganz nach oben geschafft! Erst später kam das böse Erwachen, denn als ich die anderen Teilnehmer in Vorstellrunden kennenlernte, fand ich heraus, dass alle außer mir entweder von Kindesbeinen an Französisch gelernt hatten oder bereits die Sprache studierten?! Wohingegen ich erst drei Jahre Unterricht absolviert hatte, der zumeist aus allem anderen bestanden hatte, aber so gut wie nicht aus Französisch. Ich war geschockt.
Erleichterung kam bei mir erst dann auf, als ich sah und hörte, wie schwer sich ebenso die anderen damit taten, dem Kurs zu folgen, das Level war einfach gigantisch. Unsere Lehrerin Delphine mochte mich sehr und war sehr lieb, sprach aber leider nur Französisch mit mir! Meine Kenntnisse wurden unendlich bereichert und meine Begeisterung geweckt.
Als ich ein Teenie war, veranstalteten Nachbarn von uns oftmals Garagendiskos, wo viele Jugendliche eng umschlungen tanzten. Burschen kamen zu den Mädchen und fragten, umrahmt von wunderschöner Brian Adams-Musik (Gänsehaut-Feeling am Anfang von dem Lied „Please forgive me“!), ob Mädchen mit ihnen tanzen wollten. So auch mich.
Ich wollte einerseits so sehr, wünschte mir diese aufregende Nähe, doch andererseits hatte ich megagroße Angst davor. Also lehnte ich immer ab, bis mich keiner mehr fragte, worüber ich sehr enttäuscht war.
Einmal war ich auf eine Party eingeladen, bei der alle Burschen in mich verliebt waren. Einer fragte mich, ob ich seine Freundin werden wolle, was die anderen total eifersüchtig machte. Hingegen ich verneinte, ich fühlte mich noch zu jung dazu.
Mein Bruder war ebenso ein überaus lebendiger kleiner Junge. Zum Beispiel bemalte er unseren Sofastuhl mit Lippenstift, auf die Rückseite des Stuhls malte er ein lebensgroßes rotes Herz.
Des Weiteren stibitzte er meiner Schwester 1000 Schilling aus ihrer Sparkassa mit der Begründung, er habe seine Freunde zum Eis einladen wollen. Ist das nicht bezaubernd? Goldig. Süß.
Obwohl ich definitiv eine Vertreterin des psychologischen Konzepts bin, dass wenn es zwischen Eltern und Kindern Probleme gibt, immer die Erwachsenen die Verantwortung tragen, darf ich zugeben: Unsere Eltern waren durchaus arm mit uns, sie konnten sich kaum durchsetzen.

Mit den Nachbarskindern erlebten wir definitiv die Glanzstunden unserer Kindheit. Indessen wir ihnen die Sissi-Filme näherbrachten, zeigten sie uns die Winnetou-Klassiker. Fußball, Fußball, Fußball im Fernsehen schauen, lernen, trinken, küssen, saugen, selber spielen. Außerdem schwimmen, Rad fahren, Basketball, Volleyball, Völkerball, Kirche. Sehr gerne erinnere ich mich an die Kellerdiskos bis spät in die Nacht hinein, wo ein Junge Mimik und Gestik von Michael Jackson perfekt nachzuahmen vermochte.
Damals war Fußball unser Leben, wir waren unbeirrbare Fans. Wofür man sich nicht alles begeistern lässt, um dazuzugehören. Allerdings hatten wir wirklich Spaß. Dieses Lied war unsere Hymne:
Als ich 12 Jahre alt war, fuhr ich mit meiner Familie in einen Winterort zum Skifahren. Während ich die Jahre zuvor teils schreckliche Skilehrerinnen ertragen hatte dürfen (eine hieß nicht umsonst Kritti!), war diesmal alles anders. Unsere durchwegs fortgeschrittene Gruppe bekam einen männlichen Skilehrer, der jung, sympathisch und gutaussehend war. Natürlich verliebte ich mich gleich in ihn. Als meine Familie und ich eines Abends in das unterirdische kneipenähnliche Restaurant mit Bar in der Nähe gingen, um zu Abend zu essen, kam er plötzlich mit einer jungen Frau herein, die auch Skilehrerin war. Meine Knie schlotterten! Wie gerne wäre ich sie gewesen, obschon ich erst 12 war!!
Alles fieberte auf den vorletzten Tag hin, denn da veranstaltete die Skischule ein Wettrennen einschließlich einer Siegerehrung in einem Hotel am Abend.
Zu meiner übergroßen Freude belegte ich den ersten Platz und bekam eine Goldmedaille. Am letzten Tag des Kurses sagte der Skilehrer freudestrahlend zu mir, wie ich mich denn als frischgebackene Olympiasiegerin fühlen würde. Ich brachte kein Wort heraus, war einfach überglücklich und traurig zugleich.
In den darauffolgenden Jahren machte ich noch viele Goldmedaillen, einmal Silber und einmal Bronze.

Beim Sternsingen hatten wir ebenfalls zahlreiche wundervolle Augenblicke. Wir bekamen unbegrenzt Süßigkeiten von Spendern geschenkt, wurden zum Würstelessen eingeladen, lernten so viele Wohnhäuser von innen kennen, was unglaublich spannend war.
Meine Kassa war fast immer die vollste, an das erinnere ich mich noch genau. In der Nervenklinik war sie oft dreimal so voll wie die der anderen und mehr. Patientinnen liefen mir nach und sagten, dass ich wie ein Engel aussehen würde, sie waren so glücklich und machten auch mich superfroh damit. Das Geld floss nur so in die Kassa und wurde an notleidende Menschen in der dritten Welt gespendet. Wie gerne hätte ich damit alle Notleidenden in der Welt gerettet!
aus dem Film „Evita“ 1996
Ihr lieben Leserinnen, Highlights und Glanzmomente gibt es gleichsam heutzutage in meinem Leben. Heute Vormittag hat ein Mann in meinem Alter mir in der Straßenbahn seinen Sitzplatz angeboten. Es gibt für alles ein erstes Mal. Er war ein richtig zuvorkommender Gentleman.
Beim Aussteigen bedankte ich mich nochmal bei ihm und fügte hinzu, dass es überhaupt nicht selbstverständlich wäre, dass jemand die Bedürfnisse eines anderen wahrnimmt.
Er entgegnete lächelnd ein „Sehr gerne.“ und wir verabschiedeten uns.

Ich wünsche uns allen von Herzen Besonderes im Alltäglichen, dass wir das scheinbar Flüchtige anhalten können, ein Lächeln und Höflichkeit als kolossale Glanzstücke sehen können.
Genießen wir zudem die aktuell windige Regenbrause und Abkühlung mit kleinen Sonnenmomenten!
Alles Liebe,
eure Barbara
