Am Freitag, den 11.Juni 1982 erblickte ich das Licht der Welt. Ein Tag, der sehr ereignisreich war. Zum Beispiel kam der Film „E.T. – Der Außerirdische“ in die US-Kinos. Dieses Drehbuch passt wie angegossen zu meiner Gefühlswelt, wurde mir buchstäblich auf den Leib geschrieben! Im Oktober 1983 wurde meine Schwester geboren.
Meine Eltern hatten im Mai 1981 geheiratet, Prinz Charles und Lady Diana im Juli 1981. Prinz William wurde 10 Tage nach mir geboren. Es war eine Zeit der ungenierten Zwanglosigkeit, der unverkrampften Entspanntheit, des Wohlstands, kurzum die Verzauberung der Welt, ebenso meine Verzauberung waren am Höhepunkt. Überglücklich sein und Wehmut prägen gleichsam meine Reminiszenz.

Ich im ersten Lebensjahr mit meiner Mutter
Die 80er Jahre waren definitiv etwas sehr Besonderes für mich. Damals und auch in den 90er Jahren feierten die schönsten Filme Premiere, und ebenso musikalisch war diese Epoche ein Kunstgenuss, ein sinnlicher Leckerbissen. Immer wieder zelebriere ich im Stillen Rendezvous mit akustischen Souvenirs aus dieser Zeit.
Die Mode war avantgardistisch und locker leger zugleich, ich hatte den Eindruck, dass die Welt insgesamt ohne Druck auf einer relaxten Welle der Frohsinnigkeit surfte. Die Schwingung kam mir ungekünstelt und salopp vor. Am liebsten erinnere ich mich an das Spielen und Zusammensein mit Nachbarn, Cousinen und Cousins, und mit Freundinnen. Sternsingen, Autodrom fahren, Volleyball spielen über den Gartenzaun. Einkaufen gehen zum Julius Meinl und zum ersten Mal mit Geschwistern und Freunden das Kochen ausprobieren etc.. Meine Gedanken moussieren gerade vor Freude, Moonboots schweben durch arkadisch verschneite Magnolienalleen, das nostalgische Feeling überwältigt mich soeben. Tropen aus jenen goldenen Tagen, emphatisch kultiviert …
Dennoch will ich es nicht verabsäumen, all der Menschen zu gedenken, die es in jener Zeit schwer hatten. Erdenbewohner: innen, die in Kriegsgebieten lebten und Menschen mit psychischen Problemen beispielsweise. Von unserer Pfarre aus gingen wir in die Nervenklinik in den früheren Altbau Sternsingen, wo viele Patientinnen ein ganzes Jahr darauf gespart hatten, um zu spenden, sich überirdisch freuten, die Heiligen Drei Könige zu sehen. Dazumal war es weiß Gott nicht für alle leicht, auch wenn die Zeit im Ganzen unkomplizierter war.

Meine Schwester und ich, ca. 1990
Wisst ihr noch, die urigen Autos, die Möbel, Vorhänge und Tapeten seinerzeit? Überreste und Gegenstände aus dieser Zeitspanne dienen mitunter als ausgefallen signifikantes Kunst- und Kulturerbe. Alles wirkte so naturbelassen, waschecht und familiär gemütlich. Ich erinnere mich an den weißen Opel Kadett von meinem Onkel, auf den er so stolz war, auf den er schwor, der für ihn ein fulminantes Glanzstück darstellte.
Die Atmosphäre war für mich erfüllt vom „Savoir-vivre“, von der Kunst, das Leben zu genießen.
Fast ständig hatte ich, seit ich ein Kind war, ein aktuelles Lieblingslied, das ich auf und ab spielte, bis mir schwindelig wurde. So auch jetzt. Der augenblicklich von mir favorisierte Catchy Tune ist “The Best of Me“ von David Foster und Olivia Newton John aus dem Jahr 1986. David Foster komponierte es 1982, im Jahr 1983 erschien es erstmals. „99 Luftballons“ von Nena wurde ebenfalls 1982 kreiert und ist 1983 veröffentlicht worden.
Wie wunderbar! Beide Lieder verkörpern für mich losgelöst sein, Lebensfreude, Coolness und Informalität pur. Sie haben eine so seelenverwandte Schwingung, zu der mein Herz eine tiefe Resonanz spürt.
Mir fallen die Pullover mit Schulterpolstern sowie die ¾ -Röcke kombiniert mit Schnürstiefeln erneut ein, die die Sprechstundengehilfin unseres Orthopäden oftmals trug. Zudem weiß ich noch ganz genau, dass ihr Haar das gleiche Blond aufwies, wie das von Olivia Newton John.
Bereits zu Beginn des Liedes strahlen meine Emotionen wie weitherzige Blumenmondantlitze, wie geerdete Stars, schießen in die Höhe wie mirakulöse Blauglockenbäume mit leuchtend violetten Kronen.
„How did I ever let my heart believe in one who never gave enough to me?” – spektakulöses Gefühlskino, atemberaubend prickelndes Kuriosum als Auftakt, erdumspannend taumelndes Herzklopfen, pulsierende Atemmelodie …
Trotz der melodramatischen Love-Story strahlt dieses Musikstück ein sanguinisches, fröhliches Temperament aus, finde ich. Wiederholt startet ein hoffnungsschimmerndes, sehnsüchtig geheimnisumwittertes Timbre, das in einen sachten, ausgleichenden, glimpflichen, herzbewegenden „Alles ist gut.“-Ton mündet. Dabei denke ich an einen menschenleeren Strand, an aufheiternde Rätselhaftigkeit, es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Der Text scheint mit wärmeabgebender Virtuosität zwischen den Zeilen krönend zu flüstern: „Das Leben ist gütig und wohlwollend, voller Begeisterungsfähigkeit, die angestachelt werden will, die in traumfedernde Rhythmik fließen will!“.
Ein denkwürdiger Hit, ein wundervolles Therapeutikum, Traumwunderzauberei, Glücksstunden für mich und mein Gedächtnis. Es kommen mir die spielerisch luftigen Projekte ohne Zeitgefühl, die unbekümmerten Schelmenstreiche wieder in den Sinn. Freiheit, in der wahrsten Bedeutsamkeit des Wortes.
Zudem geht es für mich um die Vergegenwärtigung des Augenblicks, um frohgemuten, stillvergnügten Schwung, das Lied ist wie eine filigran bewegliche Libelle. Die optimistische Leichtfüßigkeit gepaart mit anfänglicher Nachdenklichkeit bewirken, dass die Vergangenheit aufgefrischt wird, ich sie konstant wiederaufleben lasse und von Neuem durchfühle.

Hierbei erlebe ich mich als eine Nachtigall, die im Mai aus dem Süden zurückkehrt, um zu brüten, nachdem sie Tausende Kilometer zurückgelegt hatte, um der Kälte und dem Mangel zu entfliehen.
Die inhaltsmäßige Wetterwende zwischen Anfang und Ende ist das Tape, das im Dunkeln leuchtet und farbsprudelnd die Bühne erstrahlen lässt; der elastisch beschwingte Klebestreifen, der das gerissene Band der Lieblingskassette zusammenfügt und den Stimmungsraum heilend kohärent zum Klingen bringt.
Olivia Newton John trägt graziösen Schmuck und lächelt lieblich spontan, unverstellt vital, anmutig instinktiv, impulsiv enthusiastisch und unverbildet bezaubernd, von Herzen kommend. Wenn sie im lässigen Schneeweißchen-Outfit mit ihrer Engelsstimme im splendiden Chic singt, erreicht mein Beifallssturm den Zenit. Glorienerscheinung und Lieschen von nebenan zum Umarmen. Abschließend versinke ich in selbstvergessene Gedankenferne …
„So many years gone, still I remember
how did I ever let my heart believe
in one who never gave enough to me?
And so many years gone, love that was so wrong
I can’t forget the way it used to be
and how you changed the taste of love for me …
And you were my one more chance
I never thought I’d find
you were the one romance
I’ve always known in my mind
no one will ever touch me more
and I only want that in return
I might have saved the best of me for you.
And we’ll have no ending
if we can hold on
and I think I’ve come so far because of you
could be no other love but ours will do.
…
No one will ever touch me more
I only hope that in return
no matter how much we have to learn
I saved the best of me for you!“

Es ist kein Glücksspiel,
welche Augenblicke sich einbrennen,
präsent und fassbar bleiben und welche nicht,
Erinnerungen sind evidente Champions
im Wettkampf gegen das Vergessen,
geben glaubhaft Auskunft darüber,
was für ein Lebewesen schicksalhaft wichtig ist.
Die Zeit ist wie der Ozean.
Welche Erinnerungen sich über Wasser halten können,
nicht im Fließen des Unterbewusstseins verlorengehen,
dieser individuellen Entwicklung liegen
eine geheime Logik und Weisheit zugrunde.
Alles taucht stets zur rechten Zeit auf.
Vielen lieben Dank, dass ihr mir auf meiner Abenteuerwanderung durch die ausgelassen unbeschwerten Kinderjahre, durch Träume der unvergänglichen Freude, der Sehnlichkeit und leichten Tristesse gefolgt seid. Jahrzehnte sind seither verflogen, doch das Licht jener Tage wird kontinuierlich in meinem Herzen leuchten, wird sich niemals an der Wiederholung abnützen, nie und nimmer erloschen sein. Was nicht bedeutet, dass mir nicht bewusst ist, dass ich in jedem Moment, in dem ich lebendig bin, neue Erinnerungen kreiere.
Ihr Lieben, ich wünsche uns allen eine glückliche Balance zwischen Festhalten sowie vergnüglichem Lernen aus dem früheren Zeitgeist und der unermüdlichen Kraft, mutig, frei, wahrhaftig und ungehemmt mit ein bisschen Gelassenheitsfrequenz der 80er weiterzugehen und -zuschöpfen!!
Traumeifernd blumige Frühlingswünsche 🌼 🌸 🌺
und schmelzende Schneeglöckchen-Herzensgrüße,
eure Barbara
