Im Sternzeichen Fische geboren, scheut sie keine Opfer und Mühen, um ihren Mitmenschen behilflich zu sein, sie ist in ihrer Einsatzbereitschaft wahrlich eine Walküre mit Bodenständigkeit und großzügigem Herzen.
Sie ist die Frau, die sich entgegen allen Unkenrufen im Alter von 41 Jahren dazu entschloss, Theologie zu studieren und nebenbei ihre drei geliebten Kinder aufzuziehen.
Jene Sirene, die in ihrer Jugend bezüglich romantischer Liebe stets auf Händen getragen und angebetet werden wollte, um schließlich den Mann zu heiraten, der ob dieses Ansinnens als einziger nüchtern blieb.
Ihr Name ist Edeltraud, den sie jedoch nicht schätzt, sondern den Rufnamen „Traudi“ bevorzugt. Also nenne ich sie sehr gerne so. Sie zählt mehr als 70 Lenze, ist eine glückliche Ehefrau, Mutter und Großmutter. Ob sie nun durch die Streicheleinheiten, wenn sie mit ihren kleinen „Rotznäschen“ am Abend kuschelt und „Gute Nacht-Geschichten“ vorliest, selbst einen gehörigen Schnupfen abbekommt, ihren Mann mit großem Engagement, einer Engelsgeduld und unerschöpflicher Hingabe betreut und pflegt oder Haus und Garten auf „Vorderfrau“ bringt, Traudi stellt ihr Licht meistens unter den Scheffel und kann Komplimente nur schwer annehmen.
Dennoch ist sie für mich eine herzensgute Seele, eine unvergleichliche, seltene Perle. Die mit der Hochbegabung verbundene Exzentrizität und Anspruchsintensität ihres Enkelsohnes sieht sie mehr als eine interessante, willkommene Abwechslung, denn als Herausforderung. Überhaupt verfügt Traudi über eine unglaubliche Flexibilität, wenn Herausforderungen oder sogar Schwierigkeiten in ihr Leben kommen.
Sie ist verständnisvoll, überaus belastbar, kann gut zuhören, ist offen, mitfühlend und wissbegierig. Während sie selbst ihre Fähigkeiten oftmals als profan bezeichnet, sehe und fühle ich in ihnen etwas sehr Besonderes. Einer ihrer berührenden Sprüche ist: „Nicht dein Hüftumfang bestimmt, wer du bist und was dich ausmacht, sondern die Größe deines Herzens.“ Häufig rauscht ein Wortschwall aus ihr heraus, Traudi ist redefreudig und sprachgewandt, niemals ein stilles Mäuschen, sowie intelligent und gebildet in Kopf und Herz.
Sie ist ein Original, vor allem in ihrem geistreich unverblümten Sprachfluss, in ihrer unverbrüchlichen Kompetenz, Witz und Wortgewandtheit zu verknüpfen. In rascher Auffassungsgabe und eloquent meistert sie oftmals verzwickt heikle Situationen. Als sie beispielsweise eine neue Arbeitsstelle in einem Seniorenzentrum antreten sollte, meinte der Priester hochnäsig enttäuscht: „I hob glaubt, wir kriang a junge …!“, woraufhin Traudi selbstbewusst, unverwüstlich und unbeirrt entgegnete: „Es ist immer dasselbe. Die Neuen sollen 20 Jahre jung sein und 40 Jahre Berufserfahrung haben. Beides trifft auf mich nicht zu, aber ich habe mich hier um die Stelle einer Altenfachseelsorgerin beworben, nicht um die eines Gogo-Girls!!“. Laut Traudis Angaben war der besagte „Merkwürdige“ zwar ein paar Jahre jünger als sie, doch war es die perfekte Genugtuung für sie, als ihm darob der Mund vor Verblüffung offen stand und seine Oberkiefer-Prothese herunterpurzelte!!! Ich empfinde immensen Respekt und eine begeisterte Wertschätzung für ihren Schneid und ihr forsches Wesen.
Für derartig ultimatives „Lachmuskeltraining“ sind Traudis Geschichten unverwechselbare Exemplare. Auch die Bilder, die sie mir regelmäßig schickt und von denen ich ein paar in diesen Beitrag eingewoben habe, sind eine liebevolle Mischung aus Wahrheit und Humor, Satire und Komik für mich.

Vor vielen Jahren haben wir uns über eine Seelsorgestelle kennengelernt, wir verstanden uns auf Anhieb und wurden Freundinnen. Sie wollte sofort mein damals aktuelles Buch kaufen und ließ keine Gelegenheit ungenutzt, mich in meinem Schreiben und meiner Kreativität zu unterstützen. Und mir zu beteuern, dass sie mein Talent für einzigartig, inspirierend und wertvoll hielt.
Wenn andere mich gemein behandelten, hielt sie immer zu mir und reagierte sehr mitfühlend. Als ich letztes Jahr einen so unüberwindbar anmutenden Liebeskummer verspürte, weinte sie mit mir, wir sind uns nahe sowohl in Freude als auch in Melancholie. Bei allem, was ich ihr erzähle, fiebert sie mit, mit meinen Sehnsüchten und meinen Errungenschaften, meinen Verwandlungen.
Es ist aus meiner Sicht definitiv eine Leistung, die man nicht kleinreden sollte. Traudi ist für mich ein „Gesamtkunstwerk“, als Freundin, Familienmensch, als Hausfrau und Gärtnerin, als mit ihren Enkeln spielende, singende, bastelnde und kochende Oma. Insbesondere in ihrer Treue und Beständigkeit, in ihrem Durchhaltevermögen. Wenn sie jemanden liebt, tut sie alles, um seine Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen, auch wenn sie dabei über ihre eignen Grenzen geht. Sie hält zu ihren Lieben in allen Lebenslagen und dafür liebe ich sie.
Was ihre zwei Töchter angeht, ist sie keinesfalls eifersüchtig darauf, dass sie etwas erreichen oder bekommen könnten, was sie selbst nicht hatte. Vielmehr freut sie sich mit ihnen, wenn sie einen erfüllenden Beruf, eine glückliche Partnerschaft und Kinder haben, wenn sie dies wünschen. Sie ist stolz auf ihre Töchter und deren Erfolg und unterstützt sie in ihren Ambitionen und in ihrer Stärke.
Obendrein ist sie ein Weltmensch, der über den eigenen Tellerrand hinausdenkt, an die Liebe glaubt und diese in Toleranz, Hilfsbereitschaft und Großmut ausdrückt.

Liebe Traudi!
Meine Oma väterlicherseits hieß auch Edeltraud, sie war Verkäuferin bei Moden Landa, später Vertreterin für Sanitärprodukte, eine leidenschaftliche Köchin und ebenso ein Familienmensch wie du. Sie hatte den schönsten Garten der ganzen Siedlung, wo ich mit meiner Familie wohnte. Es war ein Obst- und Gemüseparadies mit Rosengarten. Es gab kaum eine Fruchtsorte, die dieser Garten nicht bot.
Von ihr habe ich meine Augen, meinen Modegeschmack und meine gefühlsintensive „Kuschelart“ geerbt.
So stelle ich mir deine Enkelin Flora vor:
Von Herzen wünsche ich dir, dass du dich in deiner hingebungsvoll selbstlosen Art nicht selbst aufgibst oder vergisst.
Es ist nicht jeder Tag gleich und manchmal sind wir alle wütend, müde, verzweifelt, antriebslos und vieles mehr. Das alles hat seine rechtmäßige und würdevolle Existenz in unseren Persönlichkeiten.
Wir beide lieben Worte, dennoch gibt es keine Worte, die das ausdrücken können, was du mir bedeutest.
Wenn ich mir die Pfauentorte ansehe, die du für deinen Enkelsohn zum Geburtstag gemacht hast, kommen mir die Tränen. So viel Liebe, Detailgenauigkeit, Achtsamkeit, Behutsamkeit und Sorgfalt – das bist du, wie du sprichst, kochst, lebst und liebst!!!

Ich weiß nicht, ob ich noch Mama werde, obwohl ich auch sehr „mamschig“ bin – jedenfalls, auch wenn ich einen eigenen Stil habe, wärst du mein Vorbild!! Ich wünsche mir noch viele Momente, in denen wir zusammen lachen, weinen und mitfiebern. Du bist nicht einfach nur eine Freundin, du bist mir meine liebste Vertraute, eine Freundin, zu der ich uneingeschränkt Vertrauen habe.
Ach wie gerne würde ich jetzt mit dir, meiner Schwester Maria und den Freundinnen Marlene und Sarah in diesem Café sitzen, ein warmes Getränk genießen und entspannende Augenblicke der Geschwisterliebe und Freundschaft feiern! Romantisches Kerzenlicht, aufflackerndes Kaminfeuer, lustige und tiefgründige Gespräche. Der Natur zusehen und ihr applaudieren, wie sie ihr Herbstkleid loslässt. Etwas von dieser lehrreichen Sinnbotschaft mitnehmen …
Ich hab dich lieb und schicke dir eine sanfte Umarmung.
Alles Liebe, traumhaft Schöne und wunderbares Glück für dich!
Liebe Herzensgrüße,
Barbara
