Hymne an die Empfindsamkeit


Als schönste unter den irdischen Gesten

sei mir willkommen in meinem Leben,

wie einen Garten mit feinen Grashalmen

will ich dich ahnungsvoll rühmen und salben.


Gepriesen sei dein hauchstilles Aufflackern,

sicher in der Unsicherheit kann ich mich verankern,

sanft sommerliche Ölbaumtinktur ist dein Taufsakrament,

mild stürmische Tränenströme – dein Augenblickstalent.


Herzrasen, wütendes und angstbesetztes Brodeln

begleiten den inneren Aufruhr wie Klänge von Orgeln,

emotionale Intensität bringt das Umfeld zum Besinnen,

zum Nachdenken, schafft externes Mitgefühlserklimmen.

Oh, du herrliches Segenserbgut, kannst etwas bewegen,

anrühren, Unbewusstes aufspüren, Träume beleben,

Menschen zusammenführen oder auch trennen,

nicht jeder kann deinen Umarmungsversuch annehmen.


Deine dünne Haut braucht kein dickeres Fell,

denn du willst fühlen, fassadenlos und unverstellt,

Abschirmung und Abgrenzung sind nicht dein Ziel,

dein Erinnerungsaufflammen – das psychische Glockenspiel.


Unter all den scheinbar unsichtbaren Eigenschaften

bist du, entgegen der Verborgenheit, sichtbares Entfachen,

du wirkst mehr mit instinktivem Charme, denn mit Feuerwaffen,

ich finde Affektharmonie trotz Versuchung deines Schattens.


Oh, du wundersames Instrument feuerspeiender Ruhetöne,

bist mein magischer Vertsteckhafen, meine Igluhöhle,

ich huldige die sinnenweisen Augen, die du mir frohgemut schenkst,

wie du dich in mir als deiner Liebesbotschafterin wiedererkennst.