Blutjunge schelmische Clous und (Genie)streiche – ein Kindheitsnarrativ mit kunterbunten Anekdoten


Von Kindesbeinen an hatte ich das Gefühl, meine Schwester und ich wären irgendwie außerirdisch. Schon sehr bald war sie eine couragierte kleine Draufgängerin, ein richtiger Dreikäsehoch, wenn man so will. Nicht selten verübten wir unzählige Streiche.

Einmal, ich glaube, wir waren Volksschulkinder, riefen wir bei einem Abnehminstitut an. Die Nachbarskinder waren ebenfalls zugegen. Meine Schwester verstellte ihre Stimme, um eine erwachsene Frau mit Gewichtsproblemen zu spielen. Sie sagte: „Wissen’s mei Mau sekkiert mi so vü weg‘n da Figur, i muaß mi scheid‘n lossn. I kum nimma aus’m Bett auf, muaß mi aussaroin, er sekkiert mi so vü, i hoit‘s nimma aus

Wir lachten uns halb tot, dann nahm ich das Telefon und die Angestellte antwortete, nachdem sie uns eine ganze Weile zugehört hatte: „Ihr lieben dummen Kinder …“. Das war der Beginn, mehr weiß ich nicht mehr, aber sie machte uns auf jeden Fall darauf aufmerksam, dass wir Ruhe geben sollten.

Wir hatten im Ernst geglaubt, sie würde es uns abkaufen, dass wir volljährig wären!!


Ein anderes Mal brach die Kreativität abermals mit uns durch, als wir voller Lebenslust und Freude, auf meine Idee hin, alle Beeren und Früchte im Garten pflückten und einsammelten und daraus einen Saft mit Milch mixten. Danach bauten wir in der Gasse, in der wir wohnten, einen kleinen Verkaufsstand auf, um den Früchte-Milchshake in kleinen Bechern um 10 Schilling jeweils an Spaziergängerinnen, die vorbeikamen, zu verkaufen.

Die Leute fanden das total niedlich und herzerfrischend und machten zu unserer Freude gerne mit.

Als unser Papa am Abend heimkam, erzählten wir ihm glücksstrahlend von unseren schönen Erlebnissen, woraufhin er erregt ausrief: „Sad‘s ihr waunsinnig, ihr hobt’s jo kan Gewerbeschein.“ Eine juristische Lektion bezüglich Lebensmittelstandards bzw. -vergiftungen folgte.

Doch wir zehrten von den tollen Momenten, erzählten und erzählen sie heute noch gerne weiter inklusive Papa-Pointe, auch wenn wir dies kein zweites Mal uns getrauten zu wiederholen.

Auch momentan bin ich eine lebende Grinsekatze, wenn ich an das Einzel-Happening zurückdenke.


Mein Linzer Opa war ein unverbesserlicher Sparefroh. Er bewahrte Lebensmittel zumeist so lange auf, bis sie tatsächlich schlecht wurden. Sein Brot, das er morgens herzallerliebst in den Kaffee tunkte, war so hart, dass man es mit dem Hammer nicht mehr zerschlagen hätte können. 😂

Eine weitere Sparmaßnahme seinerseits bestand darin, zerrissene Hosen mit Superkleber zu kleben!!!

Außerdem brachte er mir seine Lebensphilosophien näher und meinte, ich solle „das ganz normale Jus“ studieren, nichts anderes, dann könnte ich ja ebenso in Linz bleiben, was er sich wünschte.

„Wenn die Liebe regieren würde, dann wären alle Gesetze überflüssig.“

„Je mehr Gesetze es gibt, desto unsozialer wird es.“

„Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit.“

Mitunter wegen dieser drei Aussagen, lieber Opa, bin ich froh, dass ich nicht Jus studiert habe. Wo auch immer du jetzt bist, mögest du fähig sein, Fülle zu genießen und auf deine Fantasie zu vertrauen!!! Und danke für deine Anhänglichkeit!😘


Meine Geschwister und ich in den 1990ern


Als meine Schwester ihren 11. Geburtstag feierte, hatte meine Mutter kein Programm für das Fest mit Marias Schulfreundinnen vorbereitet. Ein Junge, der eingeladen war, meinte, das wäre die schlechteste Geburtstagsparty, auf der er je war. Es kamen schnell Langeweile und Lustlosigkeit bei den Gästen auf. Meine Schwester war deswegen sehr traurig und verletzt.

Ungefähr 9 Monate später hatte mein kleiner Bruder Geburtstag. Damit diese Erfahrung sich nicht wiederholen würde, baute ich im ganzen Garten – es war Sommer – Spielstationen auf, wo wir Wettkämpfe veranstalteten und Punkte in Pickerlform auf einen Pass für jeden klebten. Wer am Ende über alle Aufgabenbereiche hinweg die meisten Punkte gesammelt hatte, hatte gewonnen. Wir machten ebenso eine Siegerehrung mit Preisen.

Ich allein organisierte dies, da ich nicht wollte, dass der arme kleine Junge irgendeinen Schmerz hat. Die Party war ein riesengroßer Erfolg, die Kinder waren begeistert und happy.

Aktuell tut es mir noch immer leid, dass ich, wenn mein Bruder in mein Zimmer kam, um mit mir zu reden oder zu spielen, nachdem ich von der Schule nach Hause gekommen war, ihn so oft rausschickte, weil ich müde und psychisch erschöpft war.

Wenn ich mich heute entscheiden könnte, würde ich nach der vierten Klasse Gymnasium entweder eine Lehre zur Bekleidungsverkäuferin machen oder eine HBLA. Und meiner Schwester, die von da an nie wieder eine Feier wollte, würde ich eine arrangieren.

Einmal schenkte mir mein kleiner Bruder zum Geburtstag eine Diddl-Tasse, wo draufstand: „Du bist nicht wirklich weit weg, du bist genau hier drin, in meinem Herzen!“ Der Text passte zwar damals nicht, aber später nahm ich jene Tasse mit nach Wien in meine Studienzeit.

„Kuck mal wer da spricht“ (Teil 1+ Teil 2) Deutsche Synchronstimmen für Mikey und Julie von Thomas Gottschalk und Nina Hagen!!!💫


Mit unseren Cousinen und Cousins hatten wir auch wundervolle Zeiten. Ob sie sich vor Lachen bogen, weil wir verspätet in Pulgarn bei unserer Oma auftauchten, da wir den Film „Spion in Spitzenhöschen“ mit Doris Day noch fertig sehen hatten wollen oder mit uns die kleinen Ritter Sport-Quadrate teilten, an Einfallsreichtum und Spaß mangelte es uns mit ihnen nicht.

Darüber hinaus weiß ich noch, die meisten stürzten sich immer auf die Sorten Joghurt und Nougat bei den Ritter Sport Schokoladen. Ich nahm mir absichtlich andere Sorten, die weniger begehrten, damit diese nicht glaubten, dass sie keiner will.

Im Volksschulalter schickte mich meine Mutter mal in einen Papierwarenhandel, damit ich Besorgungen mache. Unter anderem kaufte ich mir ein Brieflos. Ich öffnete es erwartungslos und plötzlich stand da 1000 Schilling. Ich war überwältigt und überglücklich, es war der Hammer für mich.


Meine Schwester und ich hatten eine Zeit lang denselben Geografielehrer. Für Verspätungen, Fehlstunden und schweigsame Prüfungswiederholungen waren wir immer gut.
Nach meiner Matura traf ich ihn mal in der Schule und wir redeten zufällig über meinen Papa.

SOLCHE Töchter!“ brach es aus dem Lehrer heraus.
Wir können ja auch nichts dafür, dass wir nicht seine Töchter geworden sind! Dass er immer so eifersüchtig sein muss.😁😍

Dabei weiß ich genau, wie sehr er mit meinem Papa fühlt, da ich erwähnt hatte, dass dieser derzeit gesundheitliche Probleme hat.

Frecher Scherzkeks. Schräges Früchtchen. Drolliges Mäxchen. Kennt ihr das Jugendbuch von Brigitte Blobel „Einen Lehrer liebt man nicht“?


In der ersten und zweiten Klasse Volksschule hatte ich eine aufregende Zeit. Wenn wir unsere Hefte in der Schule abgaben, wartete ich immer schon neugierig darauf, wie viele Punkte und Pickerl ich hineingeklebt bekommen hatte, ich war total scharf drauf. Und wenn sie mir zu wenig waren, ging ich nach vorne zum Lehrerpult, um meiner Lehrerin als Tarnung bei der Beurteilung der Hefte zuzusehen. Neben mir lagen Punkte in allen Farben und Pickerl auf dem Tisch. Ich sprach scheinbar arglos und innerlich absichtsvoll mit ihr und klaute einzelne von ihnen, indem ich sie mir mit meinen Fingernägeln krallte. Daraufhin lief ich unauffälligerweise sofort zu meiner Schultasche und klebte sie mehr oder weniger klammheimlich in mein Heft unter die Aufsätze. Könnt ihr euch das vorstellen?

Und selbst als meine Lehrerin meinte, ob ich denn so gerne Punkte und Pickerl hätte – immerhin sammelte sie die Hefte ja neuerlich wieder ein – war ich so naiv, dass ich sicher war, sie wüsste es nicht!!!

In der zweiten Klasse war ja Erstkommunion und wir lernten davor, zur Beichte zu gehen. Und als ich dem Priester im Beichtstuhl hinter dem Sprechgitter gegenübersaß, traute ich mich nicht, es ihm zu sagen!!

Ich fühlte mich unendlich schuldig, überlegte hin und her, wie ich es angehen sollte. Schließlich unterließ ich es, da ich überzeugt davon war, dass er in Ohnmacht fallen würde!!!! Dachte ich würde dafür in der Hölle schmoren …

Punkte Punkte Punkte!! Und Pickerl. Just for me.🥳

Indessen ich mich in den ersten zwei Jahren kaum anstrengte für die Volksschule, änderte sich dies in der dritten und vierten Klasse. Wir bekamen eine andere Lehrerin, wofür ich heute noch dankbar bin, denn sonst hätte ich im Gymnasium kein Jahr überlebt hinsichtlich der mangelnden Toleranz von so geringem Lernaufwand.

Ich weiß noch, in der vierten Klasse Volksschule bekam ich lauter Einser und einen Zweier in Mathematik, darauffolgend in der ersten Klasse Gymnasium hatte ich im Zeugnis lauter Einser, einen Zweier in Englisch und einen Vierer in Mathematik.


Die letzte Geschichte, die ich mit euch teilen möchte, ereignete sich am Ausee. Wir waren mit unserer Familie, Verwandten und mit einer Freundin dort. Sommerlich heiße Temperaturen trieben uns ins Wasser und auf den Sprungturm, der sieben Meter hoch war. Wir waren im Kindesalter.

Keiner traute sich runterzuspringen, unsere älteren Cousinen und unser Cousin versuchten uns zu überreden. Ich traute mich keineswegs, doch plötzlich sprang meine Schwester hinunter. Ihre gleichaltrige Freundin folgte ihr kreischend. Sie kamen gleich wieder heraufgerannt, um den Nervenkitzel und den Adrenalinkick abenteuerlustig fortzusetzen, während den Verwandten der Mund offen stand und sie stammelten: „Die machen das ja wirklich!“

Nach einer Weile rannte ich zu meinem Papa und erzählte ihm davon. Er regte sich furchtbar auf und sagte: „Was, wenn da darunter irgendwelche Felsen sind!“

Aber warum sollten dort Felsen sein, wenn darüber der Sprungturm war, die Stelle war doch sicher überprüft worden!!! Obwohl ich verstehe, dass er sich Sorgen machte, mein Papa war immer wieder für einen Lacher gut!!! Unsere Eltern hatten es mit uns auch nicht immer leicht!

Und meine Schwester war der absolut geniale Knaller!!❤️


Ihr Lieben, ich hoffe, ihr hattet ebenso viel Spaß und Lustigkeit, aber auch Besinnlichkeit und Nachdenklichkeit beim Durchlesen des Beitrags, wie ich beim Schreiben desselbigen. Es ist wunderbar, andere mitzunehmen in unvergessene, besondere Kindheitserinnerungen, die immer noch im Gedächtnis sind.

Ein Hoch und tausend Bussis für alle Dreikäsehochs!

Einen traumhaft leichtfüßigen Sommertag und -abend wünsche ich euch. Erfreuen wir uns am Augenblick und kreieren wir erneut Denkwürdiges!!!!

Alles Liebe,

Barbara