Komplexe Hymne an die Empfindsamkeit – Part 3


Nicht selten entzünden visuelle Wahrnehmungen

das Schutzschild und die aktive Atmungsschicht meiner Haut,

eindrucksintensive Ressentiments und Bildüberdehnungen

fingieren blassstöbernd durchscheinend das alabasterweiße Kleid meiner Braut.


Oh, du mannigfach facettenreiche Qualität meines Selbst,

deine Auslöser und Auswirkungen sind unzählbar!

Du bist die weinende Heldin, zitternd laut,

tausendfach furchtvoll und stolz,

die unanpassungsfähige Sonderlingsschülerin – leise aufmüpfig,

nonkonform und unartig.

Die überbetont Hörende, aber nicht Verstehende,

der tapfere Angsthase als Bezwinger seiner Tunnelhöhlenfahrt,

die einsame Fremde auf der affektiert aufgesetzten Party,

du schickst das Herzklopfen als Erinnerungsstütze

für meine Empfindungen – Scham, Wut, Ekel,

keiner deiner empirischen Begleitumstände ist unnütz,

egal, ob du mir das Schwert an die Brust setzt,

oder aus Respekt und Ehrerbietung abnimmst den Säbel.


Oh, du schillernde Fabelfantasie ohne Substanzen!

Du bringst jeden Anflug von Nüchternheit ins Wanken,

machst mich in mich gekehrt mit mir selbst tanzen,

lässt mich achtsam meinen: „Drogen, nein danke!“


Ich hab dich mir zu eigen werden lassen,

bin dir nicht ausgeliefert, sondern hab mich bewusst für dich entschieden,

zumal mich deine Fähigkeiten und Fühlmöglichkeiten überzeugen,

hab dich freiwillig bei mir zu Hause aufgenommen,

dich integriert, dir ein Daumenhoch und ein Like hinterlassen,

dir ein Baumhaus in meinem Rosengarten zugesichert und gebaut.


Obschon dank dir nicht immer alles im grünen Bereich ist,

ich mich öfters für einen Wutanfall entschuldige,

eine Überreaktion versöhnend im Segen huldige,

mich mit meinem Nicht-Reagieren-Können

aufgrund von Schweigsamkeit gedulde.

Begegnungen und das Sprechen ergreifen mich –

wie magische Regenbogenerscheinungen, wie Mondstein-Zirkon-Ohrringe,

wie das anrührende Filmszenenaquarium, wie Sommernachts-Gefühlsoszillationen –

verscharren mich wie Wüstensandstürme in einer verschütteten inneren Mulde.

Ich spreche dich mir teuer, überaus liebenswürdig und – HEILIG,

weil du mir heilig bist, außerdem kurzweilig,

denn wenn ich durch dich so stark mitzufühlen vermag,

mögen wir beide nichts Schlechtes aneinander finden.

Du bedeutest psychischen Kampfsport,

jedoch nicht meinen Sarg im Grab,

ganz egal, was ein anderer tut, macht oder sagt,

so weit bin ich unabänderlich gekommen.


Ständig in Rechtfertigungen und Komplexen verfangen

aufgrund des Mich-Angegriffen-Fühlens,

habe ich mit dir schon manchmal gerungen –

von einer waffenlos wehrlosen Selbstverteidigungspose verschlungen,

schafft meditative Kunst des Öfteren entspannende Intuitionsfederführung.


Eine Prinzessin auf der Erbse

braucht Kraft, Instinkt und Feinsinnigkeit,

um die Erbse unter dem Matratzenberg zu realisieren,

derweil sie unfähig ist, an irgendetwas anderes zu denken,

eine andere Stimmung zu kultivieren –

dergleichen geht es mir

nach der Veröffentlichung meiner Beiträge,

schlaflos aus allen Richtungen die telepathischen Impulse

und Regungen aufsaugend,

während ich nachts zerrissen und zerfleddert im Bett liege.

Entgegenfiebern, Beifallsorkane, Reflexionselan von anderen,

Esprit, Frohlocken gleichsam wie peinliches Berührtsein und Abblocken

ob der Ehrlichkeit, bis hin zu Abwertung

und sogar Niedertracht und Feindseligkeit.


Meine geliebte und verfluchte Empfindsamkeit,

verleihe deinem Schattengewächs Genügsamkeit!

Tröpfle bitte weiterhin wie ein Sandmännchen

auf meine hoffnungsstrahlenden Augen

deine tiefgründigen Träume und deine Spürsamkeit,

die Assoziation deiner Gestalt sind lebendige Schmucklilien!