Die niemals schrumpfende feminine Intelligenz – Ein Puppenmärchen


Vor langer Zeit, jetzt und immer, gab es eine lebende Puppe – Barbie. Sie war ein Wundergeschöpf, jedoch keine Plastikvenus oder gar ein geistloses Spielzeugmodell.

Sie feierte sogar am Weltpuppentag ihren Geburtstag und verfügte über himmlische, übernatürliche Feentalente, die sich auf alle Menschen und Lebensbereiche erstreckten.

Außerdem war sie frisch verliebt, sie hatte ihren Freund Ken erst vor Kurzem in einem Abendlokal kennengelernt.

Eines Tages, es war am Weihnachtsabend, gingen sie erneut aus, und danach entführte Ken Barbie im weißen Cadillac Cabrio in ein Barbietraumhaus, das in einem verzaubert frühlingshaften Winterwald lag.

Während das Kaminfeuer sinnlich flackerte, machten sie sich wundervoll reizende Geschenke und betrachteten durch das Glasdach ein Sternenfeuerwerk am Himmel.

Sie genossen einen Drink oder zwei, da ließ Ken plötzlich einen glimmernden Schneeregen aus flirrenden Champagnertropfen, die elektrisiert von Glamourbrillanz wie Blitzfunken zischten, als romantische Showeinlage auf sie fallen.
Barbie war verzückt wie ein kleines Mädchen, das vor dem Weihnachtsbaum steht.

Ebenso der Mond fiel Barbie und Ken markant auf, denn er hatte Augen, eine Nase und einen Mund, und er sang die feinfühligsten Opern für sie beide.

Immer, wenn er lächelte, erstrahlte im Winterwald ein helles Licht, bis diesen irgendwann ein leuchtendes Laternenmeer übersäte, dessen Essenz er an das gesamte Universum versandte.

Manchmal verwandelte sich der Mond in einen Bildschirm, ohne seine Konturen einzubüßen, er konnte sogar das Gesicht von Gott spiegeln. In seiner Gestalt zeigte er das verborgen mysteriöse Land hinter den Wolken, die harmonisch stille, paradiesische Himmelswelt, die das hübsche Pärchen ehrfurchtsvoll, bewundernd und gerührt schweben und staunen und einen „Langsamen Walzer“ tanzen ließ.

Des Weiteren sang der Mond mit so viel Zartgefühl, und Klänge der lieblichsten Instrumente erfüllten die Atmosphäre, sodass Prinzessin Barbie und Prinz Ken an diesem weihnachtlichen Abend der Herrlichkeit, im Kerzenschein ihren ersten Kuss der wahren Liebe teilten.

Barbie flüsterte: „Wenn ich dir nahe bin, fühle und sehe ich bis hinauf ins Weltall!“

„Sterne am Himmel gibt es so viele wie Sandkörner am Meer, in dessen Wirbelsturm wir uns befinden und zusammengeschweißt werden.“, antwortete Ken ergriffen.

Hingegen Barbie war auch kokett, um Kens Jagdinstinkt zu wecken, verhielt sich ab und an desinteressiert, um sein Begehren zu entfachen und das Feuer dauerhaft lodernd zu halten.

Denn nichts war langweiliger als eine Frau, die leicht zu haben war, und das war Barbie ganz bestimmt nicht. Auch wenn sie immerzu „Ich liebe dich.“ sagte.

Obwohl die kesse Biene Barbie sehr dankbar und glücklich über ihre Garderobe war und überdies für alles, was sie besaß, träumte sie oft konkret von bestimmten Stoffen und Schmuck, die von außergewöhnlich bezaubernder Anmut waren, die sie allerdings in keinem Geschäft vorfand.

Die hinreißende Aphrodite war abermals fantasiebegabt und verfügte über einen galanten Zauberstab, einen magischen Instinkt, der als ihr persönlicher Freund und Modeberater fungierte.

Durch jenen konnte sie sekundenartig das Outfit wechseln, sie zauberte sich in die wunderbarsten Roben und Diamanten. Dafür brauchte Barbie sie sich nur vorzustellen, den glänzenden, vibrierenden Zauberstab, der einen Zauberfunkenfluss spritzend verströmte, um ihren Körper zu kreisen und den Gedichtspruch zu singen:

„Ich als beflissener Dirigent

ersinne mir das Design,

die Idee ist exzellent!

Eine exemplarische Seltenheit

für den perfekten Moment,

kleide und nähe mich ein

in diese grandiose Wesenheit!!“

Barbies Kleid war der reizvolle Lockvogel, ein entwaffnender Blickfang – ein hautenges, durchsichtiges schwarzes Chiffonkleid mit aufwendigem Detail – großzügig aufgenähtem, extravagantem, silbern schimmerndem, schwarzem Glitzermuster, das den edlen Blasston ihrer Schneewittchenhaut hervorhob. Ihren schlanken Hals zierte ein zartes, umwerfendes Diamantencollier.

Bevor Barbie sich verabschiedete, um sich kurz frisch zu machen, schwangen sie und Ken sich durch einen poetisch empfindsamen Tanz der Vorfreude romantisch aufeinander ein. Während die atemberaubende Mondmusik weiterspielte, schlang Barbie ihre Arme anschmiegsam, graziös und geschmeidig um Ken, indes sie mit ihren ausgezogenen weißen Pumps seinen Rücken streichelte.

Ihre Lippen grüßten sich impulsiv, beschnupperten und besprangen sich ruckartig – und stießen sich ebenso sekundenschnell wieder voneinander ab, wenn Barbie dauernd verträumt ein „Ich liebe dich.“ stammelnd anstimmte.

Ehe sie sich versahen, befanden sie sich im Hunger der Anziehung und des Zurückgeworfen-Werdens aufgrund von Distanzlosigkeit und Übersättigung.

Fünfzehn Minuten später saß Barbie vor ihrem Kosmetiktischchen, auf dem sich eine exquisite Parfumsammlung mit bunten Fläschchen türmte.

Als sie dem Schlafzimmerspiegel – ihrem privaten Vertrauten und Therapeuten – von der Untröstlichkeit ihrer Ungeschicklichkeit erzählte, waren ihre Flirtfantasie und ihr Koketteriebewusstsein, kombiniert mit vornehm und natürlich intuitiver sowie emotional glaubwürdiger Betörungskunst, am Höhepunkt.

Anschließend biss sie lustvoll auf ein Weihnachtspräsent, knabberte es appetitangeregt an.

Danach weihte sie ihr Abbild im Spiegel in ihr Geheimnis ein, träumte sich mit ihrer Lieblings-Clutch, einer silbernen Glitzer-Ballhandtasche, und mit zauberhaft verführten Augen hinweg in den bevorstehenden Abend der herantastenden Ersterfahrungen.

Der spielerische, unwiderstehliche Maskenball von Liebelei, Gefallsucht, Selbstherrlichkeit und Rivalität war ein affektuöses Abenteuer für Barbie, sie fühlte sich ebenfalls neuerlich abweisend und distanziert, jedoch nicht affektiert.

Ihre Koketterie gestaltete sich als eine eigenständige, einmalige Stilrichtung ihrer Persönlichkeit, die zaghaft und angstbesetzt versuchte, sich anzunähern, obschon sie mit Geständnissen und mit Anneigung nicht geizte. Sie zog sich wie ein roter Faden durch alle Arten von Barbies Beziehungen.

Darüber hinaus waren Menschen sehr irritiert von ihrer ausgefuchsten Raffinesse, da sie diese hinter dem süßen Babyface nicht erwartet hatten.

Wahre Nähe entstand nicht durch die Zur-Schau-Stellung und Attraktion von Äußerlichkeiten – Reichtum, Ansehen und anderen Oberflächlichkeiten – dessen war sich Barbie, die Seelenelfe, bewusst. Ihr Hobby war es zwar, perfekte mentale Bilder zu kreieren, um ihre eigene Sehnsucht auszuloten, doch sie wollte keinesfalls perfekt sein.

Barbies Liebreiz lag in ihrer Begeisterungsfähigkeit für eine Idee, nebst der Gefühlstiefe und Fantasiehingabe in der Umsetzung. Nicht zuletzt in ihrer tatsächlichen Fähigkeit zu lieben, im Profil der Echtheit zu leben, schwungvoll und optimistisch, traurig und misstrauisch, gütig und umsorgend zu sein. Sie wollte weder blenden, noch sich blenden lassen.

Wie es mit Barbie und Ken an diesem Abend weitergegangen ist, wird nicht verraten, als Moral von der Geschicht’ kommt nur so viel ans Licht: „Wahre Liebe zerstört sich auch durch ihr ausladendes, sich ständig wiederholendes Bekenntnis nicht!!“