Denkhitze in 12 kühlen Epigrammen


Wer Liebe für selbstverständlich hält,
ist wie ungenießbares Wasser,
verrostet und unfrisch.

Wenn Träume tückisch enden,
ist der morgendliche Tag
nach dem Aufwachen
zumeist voll-endet.

Unlust, die Lust erzeugt,
bringt den Kanonen-Startschuss
ins Leiden.

Geld, das benutzt wird,
um Menschen zu verpflichten,
in Verbindlichkeit zu involvieren,
ist kein Geschenk,
sondern das Utensil der eigenen Geltung.

Eselsbrücken sind Brücken,
von denen aus das Vergessene
in die Tiefe des Stroms springt,
sich in ihm versenkt.

Wem der Sommersonnen-schein zu aufdringlich ist,
der kann seinen Wintergarten fassadenreich fensterlos gestalten,
den lichtvollen Schatten einladen.

Wer seine eigene Albernheit und Langweiligkeit
nicht akzeptieren kann,
präsentiert sich ununterbrochen
als mustergültiges Exempel
an Originalität und Charisma.

Wenn Sex sich mit dem Machtfaktor verknüpft,
kann keiner gewinnen.

Meinungen, die nicht gesagt werden (dürfen),
schütten Beziehungen zu, als wären jene
Schottergruben.

Meinungen, die gesagt werden,
machen Schottergruben zu lebendigen Badeparadiesen
der Gleichberechtigung.

Liebe, die die authentische Verwirklichung
eines Menschen untergräbt,
ist wie ein ungeklopfter, ungesaugter Teppich,
unter dem familiäre Schatten, vorsorglich daruntergekehrt
verborgen liegen.

Wir hadern als Menschen
so lange mit unserem Leiden,
bis wir zurück ins Göttliche
erleuchtet werden.