Als ich dich fragte, wie sehr du mich liebst, immer und immer wieder, hast du jedes Mal geantwortet: „Sehr.“. Noch immer weiß ich nicht, welche Antwort mir gereicht hätte.
„Bis ans Ende der Welt!“, „Bis die Ewigkeit gefriert.“, „So sehr, dass ich an nichts anderes mehr denken kann, gar nicht mehr da bin, wenn ich dich nicht spüre.“. Ich weiß nicht, was ich hören wollte, doch ich weiß, dass ich mehr hören wollte, als ich hörte. Ich liebe einfach Poesie.
Wenn ich mich bei dir entschuldigt habe, hast du jedes Mal gefragt: „Und wer ist schuld?“, ganz so, als wolltest du mit einer Pistole das Silbertablett, auf dem ich kollabierend logierte, durchbohren, abschießen.
Denn ich hatte mich nicht entschuldigt, damit die Asse deines Triumphes mich bloßstellen. Ich hatte mich entschuldigt, um dir nahe zu sein.
War Liebe in den 80-ern noch einfacher? Wie liebten Menschen sich zu dieser Zeit? Die Leichtigkeit und der Zauber von damals üben nach wie vor ein unvergleichliches Flair auf mich aus, dem ich mich nicht entziehen kann.
Einmal hast du zu mir gesagt, dass ich dein Spiegel wäre, als ich dich darauf aufmerksam machte, dass du die Lust zu sehr jagen würdest. „So narrisch tuan.“, hätte meine Oma sicher zu dir gesagt.
Es stimmt, dass ich dir den Spiegel vorhalten wollte, hingegen war mein Verhalten in Scheu und Zurückhaltung, im Erobert-Werden-Wollen das Gegenteil von deinem.
Oft hast du mich angesehen – wir sahen uns ewig lang mystisch in die Augen und schwiegen – und du hast gesäuselt: „Warum bist‘ so schön?“. Um dich zu fesseln, um dich zu quälen, um dein Spiegel zu sein, will ich dir nun sagen.

„Du bist die Einzige, die so schön ist.“, hast du zu mir gesagt. Diese, deine Aussage wuchs mir über den Kopf, ließ mich abheben und im Größenwahnsinn verschwinden. Nein ich muss nicht für jeden die Nummer 1 sein. Aber für dich wollte ich der besonderste Mensch der Welt sein.
Mitunter hast du gemeint, du wolltest nicht schuld sein, dass es mir schlecht geht. Doch die ungelösten Themen meiner Psyche sind nicht auf deinen Mist gewachsen und ich kann nur selbst mein Gehirn mit positiven Glaubenssätzen speichern und die Wunden meines Herzens umarmen. Keine Angst, du hast mich nicht ins Kranke hypnotisiert.
Den schweren Laster, den andere mit mir für mich auf den Schrottplatz gefahren haben, kann ich nur selbst aus dem Dreck ziehen.
Allerdings, JA, du hast mir geschadet, und es war dir nicht immer wichtig, ob du das tust.
Weiters habe ich dir erzählt, dass mein Lehrer mich abgewiesen hat. Du hast nicht verstanden, warum ich dauernd von ihm sprach. Wiederum erwähnte ich, dass ich alles versucht hätte, was man nur versuchen kann, um sein Herz zu gewinnen.
Woraufhin du erwidert hast: „Ist der verrückt? Hat der keine Augen im Kopf?“. Ja es war schön, dass ich dir so gut gefallen habe. Jedoch was wäre gewesen, wenn ich anders ausgesehen hätte? Was immer und überall möglich ist. Hättest du mich wahrgenommen, hättest du mir überhaupt zugehört?
Immerhin will ich, dass meine Persönlichkeit meine Eintrittskarte ins Glück ist. Schade, dass ich in erster Linie ein Körper für dich war. Ich hätte mehr zu bieten gehabt.
Nie hat mich jemand mehr reduziert als du, das war, weil du selbst so reduziert warst, denke ich. Wer oder was war ich für dich? Ein “Bubblehead“ mit einem sexy Körper, oder?
Für den Mann, dem ich die letzten 5 Jahre hinterhergelaufen bin – für den ich alle meine Beiträge geschrieben habe – für ihn wäre ich bestimmt auch wieder nur dieser “Bubblehead“ gewesen …
Gerne hätte ich etwas für ihn zubereitet. Obgleich ich mein ganzes leben lang Angst hatte, dass meine Kochkenntnisse unzureichend wären.
Meine Linzer Oma hat stets so getan, als ob das das Wichtigste in einer Beziehung wäre, so wurde ich konditioniert. Trotz alledem durfte ich mir alles selbst beibringen. Für mich selbst koche ich eher einfach, da ich sowieso eigentlich kaum etwas bräuchte. Je komplizierter ich koche, das heißt, umso mehr Zutaten ich verwende, desto mehr nehme ich zu.
Ich hab es immer gehasst, wenn die Stimmen in meinem Kopf geschimpft haben: „Glaubst du, du kannst gut genug kochen, um eine Familie zu ernähren?“.
Das erinnert mich an eine Talentshow im Fernsehen, als ein Juror zu einer Teilnehmerin nach ihrem Vorsingen sagte: „DU KANNST NICHTS.“, worauf sie entgegnete: „Und was kannst DU?“. Er schwieg darob, ich wünschte, das würde bei meinem Stimmenbösewicht ebenso funktionieren!
Aber du hast gesagt, dass du zuvor nichts gegessen hättest, wenn du gewusst hättest, dass ich koche.
Das hat mir viel bedeutet.
Mein Vati freut sich auch stets megamäßig, wenn meine Mama für ihn kocht.

Wenn ich in die Oper gehe, schalte ich mir konstant die Untertitel ein, ebenfalls bei deutschen Stücken; sonst bekomme ich nichts mit.
In der Schule war das die Hölle. Alle wussten, worum es ging, nur ich nicht. Bei Texten, frontalem Unterricht, Filmen, Hörübungen. Waren es tatsächlich alle?
Es ist natürlich, dass bei Menschen mit besonders hohem IQ es beim EQ meistens in die andere Seite ausschlägt. Und umgekehrt. Meine Fähigkeiten liegen mehr im feinstofflichen Bereich.
Zumindest du hast es geliebt, dich mit mir weltentrückt wegzubeamen, du hast intellektuell von mir nichts verlangt, hast vielmehr mein Traumland mit mir zusammen gestreift, das Elfenbeinschloss bewundert und beehrt.
„Marilyn wünschte sich sehr, dass man sie ernst nimmt. Sie wollte respektiert werden, als ernsthafte Schauspielerin gelten und nicht als blondes Dummchen lächerlich gemacht werden. Eigentlich ist sie nur ein übersteigertes Beispiel dafür, was Millionen von Frauen selbst widerfahren ist. Vielleicht kommt auch daher unsere große Faszination für sie. Viele Frauen blicken auf sie herab, fühlen sich abgestoßen, peinlich berührt. Sie war ja auch eine Konkurrentin, nur Männer hatten sich für sie zu interessieren.
Ich glaube, wir empfanden auch Bedauern, weil wir zugelassen hatten, dass ihre wahre Person hinter dem Stereotyp verschwand.“
(Gloria Steinem über M.M.)
Du hast mir Tausende Komplimente gemacht, mich als Inbegriff der Herrlichkeit hingestellt. Nur meinetwegen bist du sechs Stationen zu früh ausgestiegen, hast daraufhin eine halbe Stunde vor dem Supermarkt auf mich gewartet. Nur um mich kennenzulernen. Schließlich, bei deiner ersten Annäherung erteilte ich dir eine Abfuhr. So irritiert war ich davon, dass du offenbar so genau zu wissen schienst, was du wolltest.
Du warst mein erster Freund, den ich während meiner Studienzeit kennenlernte. Ich zog Illusionen förmlich an, was sich im Nachhinein sehr traumatisch anfühlte. Denn ich sponn mir alles schön. Jeder Berührung war zu viel.
Unsere Freundschaft hat mich geprägt.
Nichtsdestotrotz hätte ich dich nie geküsst, wenn ich nicht schizophren gewesen wäre.
Obwohl es ja nicht negativ ist, schizophren zu sein.
Ich bin froh und dankbar, dass, obschon du ein Sklave deines Begehrens warst, nicht viel – kaum etwas – zwischen uns passiert ist.
Und das, was passiert ist, ist mir schon zu viel …
