Rosalia, die zarte Rose der Güte – ein Märchen


Einst, in einer sehr zwiespältigen Zeit, in einer Welt, in der Gut und Böse intensiv polarisierten, lebte ein bescheidenes, hilfsbereites hawaiianisches Mädchen namens Rosalia. Ihr Haar war so goldblond wie Honigklee, ihre Augen waren von einem tiefen Grünblau mit weißen Sprenkeln; Ein Bild, wie es der Ozean zeigte, wenn sich die hellgelbe Sonne in seinen türkisblauen Nuancen spiegelte. Sie hatte elfenbeinfarbene Haut und ihre zartrosa Lippen formten ein Herz, wenn sie sie schloss. Sie hatte ein wunderbar sanftmütiges und ungewöhnlich ernsthaftes Wesen. Ihre soziale Ader und ihr gutes Herz waren für Rosalia die einzigen Qualitäten, die zu leben, reifen zu lassen und zu entwickeln, es sich ihrer Ansicht nach lohnte.

Eines Tages hingegen wollte ihre dämonische Stiefmutter sie zu einem Fotoshooting bringen, wo sie für Kindermode posieren sollte. Doch Rosalia lehnte dankend ab. Sie erwiderte höflich: „Mutter, versteh bitte, ich bin an schönen Kleidern, Geld und Erfolg nicht interessiert. Ich will mein Leben dazu nutzen, Notleidenden zu helfen.“ Aufgrund ihrer Gier nach Reichtum war die Stiefmutter sehr erbost und sperrte Rosalia zur Strafe in einen Elfenbeinturm aus festem, unüberwindbarem Mauerwerk, der sich am höchsten Aussichtspunkt eines Küstenortes befand. Äußerlich schneeweiß, war der Turm innen schäbig und verlassen, sowie düster und unbehaglich. Von innerer Härte und Bösartigkeit angetrieben versuchte die Stiefmutter, Rosalia zu verwünschen, indem sie in grausamster Perversion und Besessenheit sprach: „Rosalia, du sollst für immer leiden müssen, bis du stirbst. Deine Qualen sind meine größte Befriedigung. Du darfst nie mehr glücklich sein.“

Abgeschnitten vom Rest der Welt, zutiefst verletzt und vereinsamt fing Rosalia an, Gedichte zu schreiben, hawaiianisch zu tanzen und zu singen, und zu träumen, der Musik der Engel zu lauschen. Ihre Träume nährten und trösteten sie auf wundersame Weise. Jahre vergingen und sie war erwachsen geworden. Eines Nachts träumte sie davon, dass ein Adler zu ihrem Turmfenster, das durch schwarze Gitterstäbe versperrt war, kam und sie hinfort trug zur Sonne. Rosalia malte sich aus, wie es wäre, mit ihr gemeinsam zu strahlen, um Licht in leidvolle Stunden der Menschen zu bringen und um ewige Freude in ihrem Herzen zu tragen. Ihr goldenes Haar verschmolz dabei mit dem Sonnenlicht.

Als sie aufwachte, regnete es und sie war enttäuscht, weil sie dachte, es wäre nur ein Traum gewesen und weinte mit den Wolken. Plötzlich entdeckte sie auf dem harten Steinboden eine Kette mit einer goldenen Sonne als Anhänger. Sie jubelte überglücklich: „Geliebte Sonne, ich dank‘ dir hundertfach für deine Zauberhaftigkeit!“ Sie ging zum Fenster und sah hinaus. Auf einmal leuchteten türkis-blau-goldene Strahlen wie Blitze aus dem Turmfenster und auf der Außenfassade des Turms erschien durchscheinend ein riesiges, zartrosarotes Herz. Auf den bewegten Wellen des Ozeans schwamm zu diesem Zeitpunkt die Stiefmutter, die gehofft und erwartet hatte, Rosalia wäre längst verhungert. Als sie das Licht sah, stiegen ihre Eifersucht auf Rosalia und ihre Verbissenheit, diese auszubeuten zu wollen, in ihr hoch und ließen sie zu Stein in Gestalt einer Kröte erstarren, die letztlich auf den Meeresgrund sank. Ihre Seele hatte ihren Körper geformt.

Auch ein Boot war unterwegs und die Leute waren sehr erstaunt, als sie den Turm erblickten. Ein Mann stieß hervor: „Ein Wunder! Das dort oben sieht aus wie ein magischer Leuchtturm. Wohnt dort vielleicht eine Fee?“ Noch mehr verwundert waren sie, als infolgedessen eine Stimme vom Himmel herab ertönte: „Rosalia ist das einzige „weiße Mädchen“ auf dieser Erde, frei von Selbstsucht und charakterlichem Abgrund. Sie hat die höchste Liebesfähigkeit von allen Wesen dieser Erde. Das Mädchen, das die schwersten Lasten trägt, ist das hellste und leichteste Gestirn, das am höchsten fliegen kann.“ Die Sonne hatte gesprochen. Tief berührt segelten sie weiter.

Schließlich fand ein armer, kleiner Junge mit zerschlissenen Kleidern den Weg zum Turm. Er hielt eine rote Rose in seiner linken Hand. Rosalia erblickte ihn und fragte zärtlich: „Aloha, wie heißt du denn?“ „Timo.“, antwortete er, „Ich wusste gar nicht, dass der Turm bewohnt ist. Ich bin ganz alleine auf der Welt. Mir ist kalt, ich bin hungrig und suche einen Platz zum Schlafen.“ Dann sah er das Herz auf dem Turm. Vollkommen überwältigt umarmte er es und seine Bedürfnisse wurden auf wundersame Weise gestillt. Daraufhin wuchs ein hawaiianischer Plumeria-Blumenkranz rund um den Turm. Mit einem Mal tauchte die erwachsene Rosalia im Herz auf und der Zauber war vollbracht. Ihre Seelen waren aufgrund ihrer Verwandtschaft miteinander gerettet. Rosalia schloss Timo in ihre Arme und küsste ihn auf die Wange. „Du bist nicht mehr allein, ich bin auch nicht mehr allein, ich will mich um Dich kümmern. Zusammen können wir alles schaffen, was wir uns wünschen.“ Er überreichte ihr gerührt die Rose und schwärmte dankerfüllt: „Ich möchte von dem tiefblaugrünen See deiner gütigen Augen am liebsten wellenreitend gehalten und getragen werden.“ Daraufhin verließen sie den schneeweißen Elfenbeinturm, halfen einander und anderen Notleidenden, bei denen sie auch blieben. Sie wollten keinen materiellen Reichtum erringen, nur den des Herzens formen und bilden.

Und wenn Timo und Rosalia nicht gerade mit magischen Heilkräften die Schmerzen anderer lindern, Wunden verbinden, Kranke pflegen, tröstende Gespräche führen, Umarmungen schenken und Essen sowie Kleidung verteilen, tanzen sie für den Frieden fröhlich und glücksstiftend den Lebenstanz


Liebe Leserinnen und Leser,
dies war der letzte Beitrag vor meinen Sommerferien. Mindestens drei Wochen lang werde ich nun keinen online stellen.
Vielen lieben Dank für euer beständiges Interesse an meinem Befinden und an meinen Ideen und Gedanken.
Von ganzem Herzen wünsche ich euch eine erholsame Zeit, romantische Sommerabende mit idyllischen Eindrücken und ein Auftanken von ganz viel lebenswichtigem Vitamin D!!

Sich in der Sonne aalen, ein kühles Windchen, das durch die Lüfte streift, angenehm sanfte oder auch pritschelnd sowie prickelnd triefnasse Erfrischungen, und ein tiefes, liebevolles Einatmen von Licht, das beim Ausatmen nährend den Körper jubilieren lässt!!!

Ich freue mich … darauf … und wiederum auf euch! Schaut gerne wieder vorbei.

Und meinem Bruder, der bald seinen Geburtstag feiert, sende ich jetzt schon meine herzlichsten Glückwünsche. All the best to you, Püppinger!

Foto: 1994


Macht’s gut, sonnige Grüße und alles alles Liebe,

eure Barbara