Die Digitalisierung: Maniekracher und Phobienlieferantin – eine Narretei


Viele, denen grad‘ fade ist,
gehen online auf die Zerstreuungspist‘,
gibt’s doch Mannigfaches zu schauen
und zahllose Nachrichten, die sich stauen.

Leise rieseln kalkulierte Schachzüge,
gefüllt mit Rechnungen sind Sparschweinkrüge,
sich berieseln lassen im genussbezogenen Wickelmodus,
Dollarzeichen in den Augen als Logos.

Ab und an, wenn graue Zellen sich vertschüssen,
weil wir nicht mehr nachdenken müssen,
lebt sich’s super seicht, jedoch hektisch,
denn was mich ablenkt, das auch zappt mich.

Bücher zu lesen, ach wie öde und doof,
das Handy liefert vorgefertigt Expertise frei Hof,
sezierte Informationen einer Roboterzentrale,
sortiert für die geistige Abbaufalle.

Nein, wozu noch selbstständig denken?
Ein Klick – und ich halte alles in Händen!
Gibt es verrückte Wildkäfer auf Bali?
Das Smartphone – die mechanische Antwortsurfsafari!

Warum ist der Frühling für das Pflanzenparadies ein Lebensanstoß?
Eine Berührung – landet die farbenprächtige Blumeninsel in meinem Schoß?
Wie viel kostet es, auf einer Wolke zu residieren?
Ist es spaßig, Möbel mit Lippenstift zu beschmieren?

Kann man das Grün einer Wiese messen?
Bakterienfrei einen Klodeckel küssen?
Das Wetter mit dem Zauberstab bestimmen?
Beim Kosten meinen Gaumen trimmen?

Sich einlullen lassen mit ultrageschmeidigem Foppa,
die Spielwiese der Gefahren zu bekrabbeln als Zocker,
knutschend selbstverliebte Blicke in die Kamera werfen
Millionen unsicherer Selfies machen mein Hirn bananenschlürfend.

Likes und Dislikes beherrschen meine Tagesstimmung,
die Meinungen der anderen – daraus entsteht meine Gesinnung!
Hängt mein Wert davon ab, wie viele mich kennen?
Wie viele Tausende Prozent gebe ich, um davonzurennen?

Alles rieselt und rieselt in mich hinein,
indessen ich laufe als Wiesel mit Prothesenbein,
Elektroschrott zaubert massenhaft
den „innaturalen“ Düngersaft.

Wie schön, sich nicht viele Gedanken zu machen,
wie chillig, faul durch das Sofa zu krachen!
So muss ich mich nicht fragen, wer ich bin,
das Internet serviert mir den Lebenssinn!

Endlos auf das Smartphone gucken,
die Welt übersehen mit Schulterzucken,
nein, es gibt niemanden, der Hilfe braucht,
der Platz in der Straßenbahn gehört dem Videospielverbrauch,
ich bin blind und taub –
was macht das schon aus?

Was lohnt es sich überhaupt wahrzunehmen?
Mein Handy – das Nobelkastell mit Sägespänen.
Nur DER Dauerlutscher unter den Süßigkeiten
lässt mich seelenfrei, im Absturz meines Selbst, PARAGLIDEN!

So toll und genial, die ganze Welt am Bildschirm zu erleben!
Denn es bedeutet nicht nur, mich abzusägen.
Das so vieles stets möglich und verfügbar ist,
vereinfacht das Leben – nicht nur – bei Gedächtnisabriss!